Studentenverbindungen versprechen Gemeinschaft, Orientierung und ein stabiles Netzwerk im Studienalltag. Rituale, feste Regeln und klar verteilte Rollen geben Struktur und schaffen ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Zugleich prägen diese Formen des Zusammenlebens Vorstellungen von Männlichkeit, Hierarchie und Verantwortung und wirken über das Studium hinaus in soziale, berufliche und politische Zusammenhänge hinein.
Studentenverbindungen machen neuen Studierenden das Leben einfach: Sie bieten billigen Wohnraum, feste Kontaktpersonen und eine Gemeinschaft, in der jedes Mitglied seine Rolle hat. Termine wie die Kneipen, Convente und Feste strukturieren den Alltag. Zudem setzen viele Verbindungen auf die Vermittlung beruflicher Kompetenzen, meist in Form von Vorträgen und Workshops, und bieten unter den Alten Herren das eine oder andere Vorbild. Ein weltanschaulicher Traditionsrahmen inklusive zahlreicher Rituale wird den „Spefüxen“ und „Füxen“ – potenziellen und tatsächlichen Neumitgliedern – von Anfang an nahegebracht. Als „Aktive“ gestalten sie selber den Alltag in der Verbindung und übernehmen Verantwortung in den jeweiligen Ämtern. Auch einer Umfrage der Deutschen Burschenschaft von 2003 zufolge ist „Gemeinschaft“ der Hauptgrund für einen Beitritt zu einer Studentenverbindung – in diesem Falle zu einer Burschenschaft. (DB-Nachrichtenblatt 289, 16.02.2004)
Andererseits sind die studentischen Korporationen als politisch rechts verschrien, und gerade die besagte Deutsche Burschenschaft hat viel zu diesem Ruf beigetragen. Die Korporationen sehen sich im Kampf mit Traditionen, der Öffentlichkeit, dem vermeintlichen politischen „Mainstream“, und andere Verbindungen. Folgende Konfliktlinien finden sich traditionell im Verbindungswesen:
- Schlagende Verbindungen tragen untereinander ritualisierte Mensuren aus und zelebrieren den Begriff der „Ehre“.
- Die patriotisch geprägten, schlagenden Verbindungen stehen gegen die konfessionellen, an der Kirche orientierten Verbindungen, die Duelle und Mensuren ablehnen. „Ehre“ gehört nicht zu den Grundsätzen der konfessionellen Verbindungen. Auch die schlagenden jüdischen Verbindungen wurden in der Geschichte nicht als gleichwertig in Sachen Ehre gesehen.
- Politische Verbände wie die Burschenschaft, aber auch die Vereine Deutscher Studenten, stehen gegen sich als unpolitische verstehende Corps und Landsmannschaften, die politische Stellungnahmen den Alten Herren überlassen.
- Die Korporationen stehen seit jeher den „Freistudenten“ gegenüber, die sich nicht in der traditionellen Form der Korporation organisieren wollen. Seit den 1960er Jahren sehen sich die Korporationen zudem einer relativ feindlichen Öffentlichkeit an den Universitäten und in der Presse gegenüber. Da heute lokale und nationale Zusammenschlüsse der Studierenden existieren und das Bildungssystem insgesamt expandiert hat und durchlässiger geworden ist, stehen die relativ exklusiven Verbindungen unter Rechtfertigungsdruck. Sie reagierten darauf meist mit einem Rückzug „auf die Häuser“.
- Damit zusammenhängend befinden sich Verbindungen im stetigen Konflikt mit aufstrebenden Frauen, der seit den Anfängen des Frauenstudiums um 1900 stetig anwächst. Hier befindet sich ein Kern des Kampfes der Korporationen: Die Verteidigung einer patriarchalen Struktur. Es handelt sich hier laut Michael Hartmann um ein „Rückzugsgefecht“, deren sozialpsychologische Grundlagen im Interview mit Sebastian Winter vertieft werden (sobald veröffentlicht).
- Weniger offensichtlich, weil tendenziell tabuisiert, vertritt der Männerbund eine strukturelle Homophobie, d.h. eine Abwertung von Homosexualität. Auch hierzu s. Interview Sebastian Winter, sobald veröffentlicht.
- Teile des Verbindungswesens reagieren auf die massiven gesellschaftlichen Veränderungen mit Ressentiments gegen die „offene Gesellschaft“ im Sinne Karl Poppers. Es lassen sich Ideologien des völkischen Denkens, des Nationalismus, des Ethnopluralismus feststellen, die mit einem ausgeprägten Männlichkeits- und Ehrenkult bis hin zum Mystizismus kombiniert werden. Hier erscheinen dezidiert politische Bünde wie die Deutsche Burschenschaft (DB) als Vorreiter eines – gesellschaftlich anschlussfähigen – aggressiven Nationalismus, mit dem vermeintliche Identität gewahrt werden soll. Diese Tendenzen richten sich u.a. gegen eine weitere Öffnung des Bildungssystems, Zuwanderung und übernationale Einigungsbestrebungen.
- Schließlich stellen die Verbindungen durchaus selber in zähen Prozessen zwischen den Generationen und den Gremien Elemente ihrer Ideenwelt bzw. Organisation in Frage. In der Nachkriegszeit sind Leitthemen die Aufnahme von Frauen (bei ATB und SV geschehen, bei KV und UV teilweise), das verpflichtende Fechten bei schlagenden Verbänden, das Verhältnis von „Volk“ und Staat besonders bei der Deutschen Burschenschaft, das Konfessionsprinzip bei den katholischen Verbänden. Auffallend dabei ist, dass die korporierten Studierenden heute – im Gegensatz zu den 1960er-Jahren – nicht unbedingt die Reformer sind.
Um das „System Studentenverbindung“ zu verstehen, muss man einen Blick auf ihre Rituale werfen, die bei allen Korporationen weitgehend gleich sind. Daran gilt es die sozialen Dynamiken zu verstehen, die junge Männer aus dem Status des Kindes in das des „reifen“ Mannes überführen soll. Denn Studentenverbindungen sind traditionell Männerbünde, und wo sich Frauen bei ihnen finden, haben sie Eigenschaften und Werte des Männerbundes übernommen.
Jeder Verband, jede Einzelverbindung hat ihre ganz eigene Erzählung von Geschichte. Aber auch ein „gemäßigter“ Verband wie der CV ist ein Männerbund mit Einfluss auf die Kirche und bis zur Europäischen Union. (s. Art. CV, sobald veröffentlicht) – Anhand solcher Strukturen werden „Traditionen“ Wirklichkeit, die zu Phänomenen wie der „gläsernen Decke“ beitragen, die Frauen von gleicher Teilhabe an Spitzenpositionen abhält. Auch bei den anderen Verbänden sind zumindest nationalistische und sexistische Diskurse zu finden. Dies gilt vor allem für die schlagenden Verbindungen – die „Waffenstudenten“ – zu denen auch die Deutsche Burschenschaft gehört, die aggressive politische Arbeit betreibt.
Wie kann es aber so weit kommen? Die Antwort liegt im sprichwörtlichen „Pauken“ der Regeln und Hierarchien auf dem Parkett der Korporationen.
Also zurück zum Anfang: Bei frühen Begegnungen mit einer Verbindung ist es oft die spezielle Geselligkeit, die Neulinge anspricht. „Kommt ein Student oder Abiturient mit einem Corps in Kontakt, wird er zuerst begeistert sein von den ausgelassenen Feiern im repräsentativen Corpshaus“, heißt es auf der Website der Corps. Eine historische Schilderung aus der Weimarer Republik soll veranschaulichen, wie ein Neuling das erleben mag:
„Die Burschenschaft keilte [i. S. v. ‚anwerben‘ – Anm. d. Red.] mich noch am selben Abend. An jenem langen Tisch in der festlichen Halle und umgeben von Freundlichkeit, Lachen und Gesang, mit der angenehmen Wärme von ein bis zwei Liter jungem Wein im Magen, war mir zumute, als träte ich einem finsteren Tunnel in eine unbekannte, strahlende Helligkeit. Zum ersten Mal erlebte ich das stärkste aller Gemeinschaftsgefühle: das Gefühl der Kameradschaft und Zugehörigkeit.“ (Koestler, Arthur: Als Zeuge der Zeit. Das Abenteuer meines Lebens, München 1982, zit. nach: Girtler, Roland: Corpsstudentische Symbole und Rituale – die Traditionen der Antike und der frühen Universitäten. In: Baum, Rolf-Joachim (Hg.): „Wir wollen Männer, wir wollen Taten!“, Berlin 1998, S. 358)
Nüchterner drückt es der alte Corpsstudent Roland Girtler aus: „Die studentischen Kneipereien sind […] geprägt durch ein in geregelten Formen ablaufendes, mit althergebrachten Riten verbundenes Zechen. Besondere rituelle Bedeutung erlangte dabei der gegenseitige freundschaftliche Zutrunk.“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 356)
Drei zentrale Elemente lösen hier beim Neuling den gewünschten, geradezu ekstatischen Zuspruch aus: rituelle Festlichkeit, Alkoholkonsum und die Dynamik der Gruppe. Diese drei Faktoren vereinen sich in der „Kneipe“ und sind zentral in der studentischen Verbindungskultur.
In der Verbindungsliteratur wird die Kneipe etwa mit dem griechischen Symposion verglichen, das nach Girtler einen gewissen „Zauber“ habe, der insbesondere durch Lieder hervorgebracht werde.
Das Bier, auch „Stoff“ genannt (vgl. z.B. Brandt, Harm-Hinrich et al. (Hg.): „Der Burschen Herrlichkeit“. Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens. Würzburg 1998, S. 226), solle nach Wolfgang Lipp nicht nur „Taumel und Rausch“ erzeugen, sondern auch „Begeisterung“ im Sinne einer „Öffnung für neue Daseinserfahrung“ (Lipp, Wolfgang: Verbindungen als Männerbünde. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 374). Der Charakter des Geheimnisvollen oder Magischen findet sich bei jeglichen Ritualen der Studenten. Er wird vertieft durch lateinische Ausdrücke, mit denen die Reden und Kommandos der Chargierten gespickt sind. „Ad exertitium salamandris!“ etwa lautet der Ruf des Seniors, der die Corpsstudenten zum „Reiben des Salamanders“ anhält, bei dem Bierkrüge auf dem Tisch gerieben werden (Girtler in: Baum a.a.O., S. 360). Die Herkunft dieses Ehren-Rituals liege laut Girtler im Dunkeln, sei aber „uralt“ und habe mit Paracelsus und Goethes Faust zu tun.
Ein „Silentium“ („Ruhe!“) des Seniors oder Erstchargierten beendet das Treiben am Tisch und hat weitere Anweisungen zur Folge, etwa „das Absingen eines Liedes zu befehlen“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 358). Dabei wird gewöhnlich, und nicht nur bei schlagenden Verbindungen, mit dem „Schläger“ (der repräsentativen Hiebwaffe) auf den Tisch geschlagen, was Girtler von den Freimaurern ableitet, die nach seinen Angaben noch immer mit einem Hammerschlag auf den Tisch Befehle unterstreichen.
Hier wird schließlich die Hierarchie deutlich, die in der Kneipe praktiziert wird. Die Chargen stellen die Spitze der Macht dar, darunter kommen die nichtchargierten Burschen und ganz unten stehen die Füxe. Es gibt auch Auswärtige, sogenannte „Konkneipanten“, die in der Regel kein Mitspracherecht haben.
Der gegenseitige Zutrunk verpflichtet das Gegenüber zum Trinken. Daneben gibt es zahlreiche Trinkspiele, die der Neuling lernen muss. Als Beispiel sei hier der „Bierjunge“ genannt, der eine rituelle Beleidigung darstellt und im „Bierduell“ gelöst wird, bei der ein „Unparteiischer“ die Duellanten unter Beigabe von Zoten zum Wettrinken anweist: „Von dem Boden an die Hoden, von den Hoden an den Nabel, von dem Nabel an den Schnabel – sauft!“ (Böcher, Otto: Kleines Lexikon des studentischen Brauchtums. Hannover 2009, S. 322) Die Volltrunkenheit ist hier ebenso einkalkuliert wie die Bewährung des Einzelnen, so er sich denn die Regeln der Kneipe einverleibt hat. Im CV werden etwa „Staffetten gepresst“, was von einigen Alten Herren öffentlich kritisiert wurde. (Academia 1-2014, S. 25 ; s. a. Art. CV, sobald veröffentlicht) Festgelegt sind die Regeln im „Kneipkomment“, dem speziellen und in der Regel verschriftlichten Regelwerk. Die musischen und Turnverbindungen hinterfragen diese Regeln und den exzessiven Alkoholkonsum teilweise stark.
Kulturgeschichtlich ist dabei interessanterweise die Kneipe eine Entwicklung, die zur Besserung der Trinksitten unter den Studenten beitragen sollte. Denn man muss sich vorstellen, dass Studenten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nur Männer waren und einen eigenen Stand bildeten. Sie unterstanden der Universitätsgerichtsbarkeit, hatten ein eigenes Gefängnis (den „Karzer“, der etwa in Heidelberg ein beliebtes Touristenziel ist), und durften Waffen tragen. Sie schlugen Duelle und fühlten sich als priviliegierte Schicht fern von gesellschaftlichen Zwängen. Außerdem wird die Kneipe teilweise als Persiflage auf den Zivilprozess interpretiert. (vgl. Golücke, Friedhelm: Die bundesdeutsche Nachkriegszeit. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 155) Da ein Großteil der Verbindungsstudenten seit jeher Juristen sind, liegt dieser Schluss nahe.
In der Geschichte war es unter Studenten auch immer wieder beliebt einen „Bierstaat“ oder ein „Bierfürstentum“ zu errichten – ein Abbild der Erwachsenenwelt mit Rechten und Pflichten, bloß dass die Währung Bier war. Wenn ein Fux oder Bursche sich nicht kommentmäßig benimmt, kann er es heute noch bis zum „Bierverschiss“ bringen, der ihn alle Rechte in der Kneipe kostet. Für ihn gibt es wiederum eine geregelte Wiedergutmachung, niedergelegt im Kneipkomment.
Blattmann interpretiert etwa die Kneipe als „Traumatisierung“, die eine Anpassung an die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts darstelle:
„Paradoxerweise diente gerade ein hoch formalisierter Ritualkomplex (der Biercomment) dazu, alte gesellschaftliche Formen zu verlassen und die Gefühle für Grenzen zu anästhesieren und damit die Männer für die moderne industrialisierte Welt zu präparieren. (…) Erst das körperliche Erlebnis der eigenen Grenzverletzung, die Traumatisierung durch die Erfahrung des eigenen Unterworfenseins, die nicht als solche wahrgenommen werden darf, und die Erfahrung des scheinbar schadlosen Überlebens desselben, schufen die psychische Voraussetzung für eine lebenslängliche Verankerung dieser Art von Männlichkeitserziehung und Männlichkeitsverständnis.“ (Blattmann, Lynn: Der Comment und die Schweiz. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 216)
Männlichkeit soll also in der Kneipe, die bis heute fortbesteht, durch die psychophysische Verletzung konstituiert werden. Wichtig ist die Umdeutung dieses „Unterworfenseins“ in einen Triumph. Und mehr noch: Man weiß ja unter Umständen nicht mehr genau, was man im Vollrausch gesagt oder getan hat – aber die anderen Burschen wissen es. Der so aufgebaute Druck verstärkt die Konformität, die eingeschworene Gemeinschaft, und soll auch bisweilen ganz offenkundig in Form von peinlichen Fotos usw. verstärkt werden, von denen sich ab und zu auch einige im Internet finden.
Beim „Couleurbummel“ kehren Korporierte bei anderen Verbindungen ein und bekommen normalerweise ein Bier ausgegeben. Dabei werden Kontakte geknüpft und andere Traditionen kennengelernt. Stefanie Zorn von der Akademisch-Musikalischen Verbindung Makaria Stuttgart nannte den Couleurbummel 2014 „sehr wichtig“, denn es diene dem „Verständnis von anderen Verbindungen und Bräuchen“. (SV-Zeitung 1-2014, S. 46) Der Dachverband der Makaria, der „Sondershäuser Verband“ hat dabei viele Kritikerinnen und Kritiker korporativer Traditionen in den eigenen Reihen. So führen nicht alle SV-Verbindungen die oben beschriebenen Kneipen durch. (vgl. Art. Sondershäuser Verband, sobald veröffentlicht)
Das Trinken und der Rausch sind in der Kneipe Lohn und Strafe zugleich. Sie ist also kein Vergnügen, sondern ein ausdrückliches „Erziehungsinstrument“ (Brandt, Harm-Hinrich: Zur Einführung. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3). Was zunächst befremdlich erscheint, wenn man sich eine zeitgenössische Gaststätte vorstellt, gehört aber zum Kern der Ideologie der Studentenverbindungen – dem sogenannten „Erziehungsprinzip“.
Praktisch begründen die Korporationen ihren Erziehungsauftrag mit der „Humboldtschen Lücke“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3) in den modernen Universitäten: Die Universitäten hätten sich mit den preußischen Hochschulreformen am Anfang des 19. Jahrhunderts aus einem allgemeinen Erziehungsauftrag zurückgezogen, übten eine „soziale Enthaltsamkeit“ (ebd., S. 10). Die Korporationen sollen hier einspringen und aus den Studenten „ehrenhafte, verantwortungsbewusste, weltoffene, vaterländische“ Studenten machen (Böning, Jobst: Grußwort zur Eröffnung der Tagung. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. X).
Hermann Rink nennt als Erziehungsinstrumente seines Corps-Verbandes KSCV Convent, Kneipe und Bestimmungsmensur (Rink, Hermann: Die Mensur, ein wesentliches Merkmal des Verbandes. in: Baum a.a.O., S. 384). Letzteres ist die Fechtpartie, die jeder Student ablegen muss, um in die Verbindung aufgenommen zu werden. Zum Fechten als solches s. Kap. „Initiations- und Übergangsriten“ Diese Rituale seien seien möglichst oft zu wiederholen, denn: „Es liegt im Wesen von Erziehungsinstrumenten, dass sie zum Erreichen ihres Zweckes möglichst oft eingesetzt werden sollen“. Worin liegt aber dieser Zweck? In der Formung einer „starken, freien, weltoffenen Persönlichkeit“ (ebd., S. 383).
Laut dem Corpsstudenten Roland Girtler gehe es bei den Verbindungsriten um einen „allmählichen Übergang in die Erwachsenengesellschaft“ in Form von „Mannbarkeitsritualen“; zu erbringende „Leistung“ helfe dem jungen Burschen beim Aufbau seines Selbstbewusstseins (Girtler a.a.O., S. 370). Für die Corps besonders wichtig festzuhalten ist eben dieses Leistungsprinzip. Entsprechend lautet auch der Titel der zitierten Publikation „Wir wollen Männer, wir wollen Taten!“ Girtler fasst zusammen: „Die oft als anachronistisch abgetanen corpsstudentischen Symbole und Riten erleichtern dem jungen Corpsstudenten den Schritt in die Wildheit und selbst zu verantwortende Freiheit des Lebens.“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 382)
Der Begriff von Erziehung, der hier gepflegt wird, scheint zunächst widersprüchlich: Einerseits soll der Bursche gehorchen und den Komment befolgen, andererseits soll er selbst verantworten, frei entscheiden. Rink betont darüber hinaus auffallend seine instrumentelle Auffassung von Erziehung, die sehr auf das Fechten abzielt. Er resümiert hierzu: „Diese Übung [die Mensur – Anm. d. Red.], die verbunden ist mit der Überwindung der eigenen Angst, mit dem Einsatz für die Corpsgemeinschaft und der damit verbundenen Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, dient der Erziehung zur Persönlichkeit genauso wie das Einstecken von Treffern, ohne dabei die Haltung zu verlieren, und die Hinnahme der Mensurbeurteilung durch die eigenen Corpsbrüder“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 384). Dieses Modell zielt also stark auf Selbstdisziplin und das Kollektiv ab, durch welche Instanzen eine „Persönlichkeit“ geformt werde. Zusammen mit der Rede von der „Wildheit“ ergibt sich eine Dialektik von Sichgehenlassen und Kontrollieren. Dieser Doppelcharakter ist wesentlich für den Männerbund als Institution vom Übergang ins Erwachsenenleben. Anna-Maria Brandstetter nennt das Spiel mit den Grenzen der Ordnung „Rituale der Rebellion“ (s. Interview Anna-Maria Brandstetter, sobald veröffentlicht), das im Folgenden näher erläutert werden soll.
Das Fechten gehört wohl zu den berühmtesten – und berüchtigtsten – Ritualkomplexen der studentischen Korporationen. Die fechtenden Verbindungen bilden die Untergruppe der „schlagende Verbindungen“ oder „Waffenstudenten“ aus. In besonderen „Übergangsriten“ (Lipp nach van Gennep in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 371) vollführen indes alle Studentenverbindungen die Zuweisung der Geschlechts- und Altersrolle des jungen Mannes – die bei den Waffenstudenten nun besonders dramatisch gestaltet werden. Die drei Phasen, die einhellig in der Literatur zu finden sind, sind 1. die Abtrennung des Jünglings von seiner gewohnten Umgebung; 2. die Schwellenüberschreitung, die Initiation oder „Burschung“; 3. die Angliederung, die „Philistrierung“ als Erwachsener. (vgl. Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 373)
Jeder Waffenstudent muss für seine Aufnahme in den Bund eine „Bestimmungsmensur“ schlagen, bei der es auf technische Perfektion ankommt und darauf eine Verletzung unbewegt hinzunehmen. Die Bestimmungsmensur ist in diesem Ablauf der zweite Schritt, die Initiation oder „Burschung“. Lipp nennt diese Vorgänge ein „Ritualdrama“, das auf der „Bühne“ von Kneipe und Paukboden inszeniert werde (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 373). In diesem Sinne symbolisiert die Mensur eine „Häutung, aber auch Härtung“, eine etwaige Narbe („Schmiss“) ist ein „existenzielles Symbol“ für die neue Lebensphase (ebd., S. 374). So konnte man Bismarck seine Männlichkeit an der sprichwörtlichen Nase ablesen: Er hatte seinen einzigen Schmiss auf der Nasenspitze.
Auf dem Burschentag 2005 wurde über eine Unfallversicherung der DB bei Mensuren debattiert, was Einblicke in mögliche Risiken des Fechtkampfes ermöglicht. Dabei wird die Absicherung von „Wiederherstellungsmaßnahmen von schweren Schmissverletzungen mit Langzeitfolgen“ erörtert: „Ohrspeicheldrüsen, durchschlagene Papierschädel, durchtrennter nervus facialis“, außerdem ausgekugelte Schultern und abbrechende Klingen, die Umstehende verletzen könnten. Nebenbei gehe es auch laut einem Redner um die „juristische Absicherung des ‚Mensursports‘“. Eine Versicherung wird aber den einzelnen Bünden anheimgestellt. (alle Zitate: Protokoll des Burschentages 2005, S. 35) Statistiken über die Häufigkeit von Mensurunfällen gibt es nicht.
In solchen Riten einer „‚Initiation‘ und ‚Wiedergeburt‘ eines neuen Ich“ (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 374) gehe es nun um einen inneren Wandel angesichts neuer Pflichten. Dazu Roland Girtler (Girtler in: Baum a.a.O., S. 372): „Für den jungen Waffenstudenten hat die Mensur also zwei Gesichter: einerseits den Reiz eines Abenteuers, bei dem er sich wie beim Klettern und anderen Mutproben seiner jugendlichen Kraft bewusst wird und andererseits das einer Charakterprüfung, bei der es für ihn darauf ankommt, sein Verhalten kontrollieren zu lernen.“
Neben der Traumatisierung mit Alkohol findet hier eine weitere Traumatisierung statt: Das Inkaufnehmen und unbewegte Hinnehmen einer Verletzung, die fortan in den Körper eingeschrieben bleibt. Er darf sich gegenüber seinen Bundesbrüdern keine Blöße geben.
Die spezielle Dynamik eines solchen Bundes des Überganges nennt der Ethnologe Victor Turner nach Lipp „Schwellenbereich“ oder „liminality“ (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 376). In der geradezu theatralischen Gemeinschaft der zu Erwachsenden werden vollkommen gegensätzliche Impulse verarbeitet und aufgefangen: „Struktur“ stehe hier gegen „Antistruktur“ (ebd., S. 377), der Bund wird in jedem Ritual sowohl schmerzhaft verfestigt als auch scheinbar überwunden. Emphatisch nimmt dies der gleiche Autor für die Burschen in Anspruch, die die „alten, verkommenen, Entfremdung säenden ‚Strukturen‘ zu neuen, Freiheit, Gleichheit, Glück verheißenden, sozialen ‚Antistrukturen‘“ überführten. In dieser Atmosphäre werde sichtbar, dass „zwischen Fux und Bursche, Mann und Mann, Bürger und Bürger, Deutschem und Deutschem tiefinnerliche Gemeinsamkeiten“ bestünden. (ebd., S. 375)
Doch auch in den nicht schlagenden Verbindungen gibt es etwa das System des „Leibburschen“, der für die Einzelbetreuung des Novizen zuständig ist. Nach Peters dient dies der Kontrolle und „unmerklichen Erziehung“ durch Rituale und Lebensart in der Verbindung. (Peters, Stephan: Verbindende Verbände. Ein Lesebuch zu den politischen und sozialen Funktionen von Studentenverbindungen. Marburg 2000, S. 55f.)
Lipp spricht von der „Entlastung des Außenverhaltens durch ein inneres Regelwerk“. (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 376) Es werden hier also ideologische Elemente in körperlichen Ritualen eingekerbt: Der Mann bezieht sich auf den Mann, der Deutsche auf den Deutschen.
So begründet der Autor die „Sprengkraft“ oder „Subversion“, die dem Bund innewohnt. Worin die „Antistrukturen“ bestehen, wird dabei nicht klar, aber es steht fest, dass „überschäumende Handlungsenergien“ (ebd., S. 376) entstehen. Allein ein Moment der Verheißung, der „Frühlingshauch eines neuen, frischeren Lebens“ muss als Lohn der Mühen reichen. (ebd.) Diese ambivalenten Vorgänge beleuchtet auch Anna-Maria Brandstetter im Interview (s. Interview, sobald veröffentlicht). Die Rede von den „tiefinnerlichen Gemeinsamkeiten“ zwischen „Mann und Mann, (…) Deutschem und Deutschem“ deutet auf Homoerotik und Nationalismus, die ebenfalls grundsätzlich im Männerbund angelegt sind – wie noch zu zeigen ist. Lipp betont weiter, dass die Studentenverbindung „artverwandt mit charismatischen Prozessen“ sowie Geheimbünden sei, und „prädestiniert für ‚soziale Bewegungen‘“ (ebd., S. 375). Außerdem haben die Übergangsriten der Studentenverbindungen nach Peters durchaus einen verdeckten religiösen oder magischen Charakter (vgl. Peters a.a.O., S. 60), was schon mehrfach anklang.
Wenn man diese pathosgeladenen Reden betrachtet, wird auch klarer, warum etwa in der Corps-Literatur vom „Schritt in die Wildheit“ die Rede ist, wo doch eben das regellose Leben hinter sich gelassen wird. Es werden psychisch-körperliche Ausnahmezustände kreiert, die alle einerseits den Charakter von Konkurrenz, Wettbewerb und Kampf haben, andererseits aber zu gegenseitiger Anerkennung der Gleichgesinnten führen. „Kämpfe für Freiheit, Verteidige deine Ehre, tritt ein für unser Vaterland“, titelte ein Video der Mainzer Burschenschaft Germania Halle 2012.
Der charismatisch-erzieherische Männerbund erzeugt also Prägungen und Handlungsbereitschaften, die mit Ideologien unterfüttert werden. Als „soziale Bewegung“ trägt er also in seinem Aufbau einen eminent politischen Aspekt, der sich – weniger dramatisch inszeniert – in allen Studentenverbindungen findet.
Diese Kulisse der Gefahr spiegelt genau den „schwierigen, gekünstelten und höchst angespannten Prozess“ (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 371) der Mannwerdung im Männerbund wieder. Andersherum betrachtet, konstituiert die Gefährdung überhaupt erst den Mann. „Ehre“ ist hier ein stets fragiles Gebilde, das Angriffen ausgesetzt ist, und vor allem eng an das Kollektiv gebunden ist. Für das Kaiserreich nennt Silke Möller die Verbindungskarriere „Sozialisation durch systematische Verdrängung anderer Sozialisationsfelder“, wie Familie und Freundeskreis (Möller, Silke: Studienzeit als prägende Lebensphase: Organisierte und nichtorganisierte Studenten im Kaiserreich. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 414) Durch den nach wie vor hohen Zeitaufwand für das Verbindungsleben kann man dies für die heutige Zeit wohl auch gelten lassen.
Es ist unschwer zu erkennen, dass die intensiven und anstrengenden Initiations-Prozesse Ängste, Frustration, Schmerzen, aber auch Freude und Rausch in den Individuen auslösen. Es dürften sich auch nicht alle alten Verbindungsstudenten nur mit Freuden an ihre aktive Zeit erinnern. Das von Verbindungen in der Literatur beklagte Desinteresse der Alten Herren spricht jedenfalls dafür. Auch ein Ausstudierter im Kaiserreich beklagte sich nach Möller über die „Kneiperei, Fechterei und Geistsimpelei“ in seiner Korporation. (Möller in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 413) Er nannte das Ende seiner Verbindungszeit eine „Erlösung von den letzten Resten der Kindheit“. (ebd.) Dies bestätigt auf eine ironische Weise den Übergangscharakter der Korporationszeit zwischen Kindes- und Erwachsenenstatus.
Die Praxis der Korporationen zielt direkt auf die Emotionen seiner Mitglieder ab, was die Beschäftigung der Bünde mit sich selbst schwierig macht. Allzu oft führe die Involviertheit der Verbindungstheoretiker nach Konrad Jarausch zu einer verklärenden und überraschenden „Historisierung“ (Wortmeldung Konrad Jarausch in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 116). Der selbe Kritiker nannte dies die „problematische Gleichsetzung der Emotionen mit der Institution“ (Wortmeldung Konrad Jarausch in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 116). Das heißt, dass das einzelne Mitglied oft schlicht zu emotionalisiert ist, um die Machtverhältnisse der eigenen Organisation zu erkennen und zu kritisieren. Die weiter oben geschilderten Trainingseffekte, die in der Psychologie als „Konditionierung“ bezeichnet werden, sowie die gegenseitigen Verpflichtungen sind weitere Faktoren in der gefühlsmäßigen Abhängigkeit vom Bund. Wenn man schließlich den Begriff des Traumas konsequent anwendet, dann ergibt die Verklärung als Verdrängungsleistung psychologisch durchaus Sinn.
Mit der „Burschung“, die wiederum eigene Trinkrituale umfasst, wird der Fuchs (wahrscheinlich nach lat. faex: „ungehobelter Kerl“) zum reifen Mann und erreicht also den eigentlichen Studentenstatus, der fortan besungen wird. (vgl. Girtler in: Baum a.a.O., S. 376) Die Bewährungsproben als Initiationsriten sind aus vielen Gesellschaften der Welt bekannt, in denen auch Verletzungen zugefügt werden, um den neuen Status zu erlangen. Die Studentenverbindungen pflegen solche Rituale besonders im Trinken und – im Falle der Waffenstudenten – im Fechten.
Wenn vorher vom „freien Burschen“ die Rede war, so ist davon in der aktiven Zeit des Studenten nicht viel zu spüren: Zu den wöchentlichen Kneipen kommen die meist monatlichen Convente, bei schlagenden Verbindungen die Paukstunden, sowie Fuxenstunden, Vorträge, Feste und Exkursionen zu Alten Herren oder befreundeten Verbindungen. Diese Termine schlagen zeitlich stark zu Buche. Als Charge (mit klangvollen Namen wie „Senior“, „Consenior“, „Fuxmajor“, „Quaestor“ belegt) hat der Bursche ein Amt inne und organisiert die genannten Programmpunkte.
Das ständige Wiederholen der männerbündischen Rituale lässt sich zunächst als ein leistungsorientiertes Training von Verhaltensweisen beschreiben, die innerhalb der Gemeinschaft gutgeheißen werden. Die eigenen Grenzen sollen dabei gezielt überschritten werden.
Nach dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu schreibt sich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht in das Verhalten ein. Im „Habitus“, der Art und Weise des körperlichen Auftretens, des Sprechens usw., zeigt sich die Milieuzugehörigkeit und dem Soziologen zufolge letztendlich das Kapital, über das ein Mensch verfügt. Die Verbindungen nennen dies schlicht „Tradition“, aber soziologisch betrachtet muss die Ausbildung, die ein Mensch in einer Verbindung durchläuft, gesellschaftlich anschlussfähig sein.
Stark ausgeprägt sind die speziellen Verhaltensformen wieder bei den Corps. Diese legen Wert auf korrekte Kleidung, rituelle Höflichkeit besonders gegenüber Frauen; aber auch auf „vornehme Distanz zu nicht gleichartigen und damit ‚weniger würdigen‘ Personen“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 378) – womit wiederum Frauen und andere Nicht-Corpsmitglieder gemeint sind. Die Ambivalenz gegenüber Frauen ist ein wichtiger Aspekt des Männerbundes, der später erörtert werden soll.
Auf welche Gesellschaft beziehen sich also die Regeln und Ideale, der Habitus? Das corpsstudentische Ideal der „Ritterlichkeit“ – „was immer das auch heißen mag“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 378) – gibt schon einen Hinweis; an anderer Stelle ist von „Noblesse“ die Rede, die direkt auf den eigentlichen Kern der Sache hinweist: Die Corps orientieren sich an dem Stand des Adels.
Hierzu muss man sich vergegenwärtigen, dass Adel und Offizierswesen im deutschen Kaiserreich ein enormes gesellschaftliches Renommee hatten. Reichskanzler Otto von Bismarck war ebenso wie Kaiser Wilhelm II. Corpsstudent. Bismarck sprach unter allen Sozialdemokraten allein Ferdinand Lassalle eine „vornehme Natur“ zu. Der ist freilich selber Corpsstudent gewesen – die Anerkennung mag mehr dem Habitus als der „Natur“ geschuldet gewesen sein. Die Naturalisierung von Machtpositionen ist aber gleichwohl als typische Argumentationsfigur festzuhalten. Auch 1998 scheint etwa Brandt die Verteilung von gesellschaftlicher Macht als gegeben hinzunehmen, wenn er Korporationen als „Agentur[en] der Reproduktion etablierter Schichten“ beschreibt, deren „Funktionen (…) in allen Gesellschaften erfüllt werden“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3).
Nichtsdestotrotz betont Klönne, dass die Verbindungen schon im Kaiserreich den Übergang zum Bürgertum vollzogen hätten, und dass die Adeligen nur eine stützende Funktion – besonders in den Corps – gehabt hätten. (vgl. Klönne, Arno: „Manneskraft und Lebensbund.“ Sitte und Brauchtum der Korporationen. In: Elm, Ludwig et al. (Hg.): Füxe, Burschen, Alte Herren. Studentische Korporationen vom Wartburgfest bis heute. Köln 1992, S. 324 f.) Er betont, dass die Korporationen einer „generellen männerbündischen Formung der damaligen politischen Kultur“ entsprachen. (ebd., S. 325)
Adelige und Offiziere waren auch – neben den Studenten – die einzigen gesellschaftlichen Gruppen, die Waffen tragen durften. Dass heute, wie bereits gezeigt, Verwirrung herrscht über den eigentlichen Inhalt von Werten und Formen, liegt daran, dass der gesellschaftliche Bezugsrahmen jedenfalls der schlagenden Verbindungen offensichtlich nicht mehr existiert. Auch der Soziologie Michael Hartmann betont dies im Interview (s. Interview Michael Hartmann).
Verhaltensweisen, die eine Gemeinschaft gegenüber anderen Gemeinschaften und Individuen abgrenzen sollen, werden nach Bourdieu als „Distinktion“ bezeichnet. Diese bildet gleichsam das Gegenstück zum Erziehungsprinzip: Was der Bursche als Habitus verinnerlicht hat, trennt ihn von den nichtkorporierten Menschen. Der Status des Einzelnen wird so nach außen hin kenntlich gemacht, am augenfälligsten durch die farbigen Bänder, die viele Verbindungen tragen. Dabei gibt es ein eigenes Fuxenband, das etwa bei den Corps zwei Farben hat, und ein Burschenband, das aus den drei Verbindungsfarben besteht.
Die Struktur der Übergänge Fux—aktiver Bursche—inaktiver Bursche—Philister/Alter Herr mit entsprechenden Ritualen ist für alle Verbindungen typisch. Die Alten Herren gelten hierbei als die „‚Weisen‘, an denen sich die Jungen orientieren sollen“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 377). Weniger nobel klingt dagegen eine andere Passage des selben Autors, der die Corps mit Fußball-Fanclubs vergleicht: „Dort sind es die älteren Anhänger, die die jungen Fans beim ‚Kampf‘ gegen feindliche Gruppen mit Ratschlägen versorgen, sich jedoch nicht mehr direkt in das ‚Kampfgeschehen‘ einschalten.“ (ebd.). Der inszenierte Kampf ist ganz wörtlich zu nehmen, es geht hier um die Ehre und das Fechten, welche beide schon oben behandelt wurden.
Die Alten Herren sind die materielle Kraft hinter der Organisation Studentenverbindung. Brandt nennt sie den „bestimmenden Faktor zu fluktuierenden Studentenpopulationen“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3). Sie sind es, die meist durch einen eingetragenen Verein das Verbindungshaus unterhalten, und durch weitere Arbeiten und Gelder die längerfristigen Verbandsaktivitäten aufrecht erhalten. Was die einzelnen Verbindungen betrifft, so kann es durchaus sein, dass einige Semester gar keine Aktivitas „auf dem Haus“ wohnt. Sie kann dann eine Zeit lang „inaktiv“ werden oder ihren Betrieb gänzlich einstellen, sich „vertagen“.
Vonseiten der Verbindungen wird oftmals betont, dass die Alten Herren einer Verbindung besonders erfolgreich seien, etwa Ärzte, Anwälte, Politiker etc. Sie sollen demnach den unerfahrenen jungen Männern als Vorbilder dienen. Zu sogenannten „Ex-Bummeln“ reisen die Studenten zu einzelnen Alten Herren und verbringen etwa ein schönes Wochenende in dessen Wohnsitz. Brandt spricht offen von „Karrieren“ und „Konnubien“, die durch sie zustande kommen. (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3) Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen und den allfällig beklagten Nachwuchsmängeln dürfte die Qualität und Quantität dieser Kontakte aber stetig abnehmen. Vor allem der katholische CV hat wieder mehr Zulauf unter den Studenten, was aber lokal sehr unterschiedlich sein kann. Die Alten Herren jedoch reduzieren sich stetig aus natürlichen Gründen.
Nicht nur sind die „Versorger“ in der Altherrenschaft in der Überzahl (2009 hatte der CV etwa 26 000 Alte Herren und 3900 Studenten), sondern sie sind tendenziell in einer sozial abgesicherten Position. Diese Positionen aber werden von den Jüngeren angestrebt. Das Vorbild-Lernen gilt in der Pädagogik als eine der wirkungsvollsten Lernmethoden, sofern das Vorbild akzeptiert ist. Außerdem besteht zwischen Aktiven und Philistern eine materielle Verpflichtung, da der Wohnraum und die Verbindungs-Aktivitäten von den letzteren subventioniert werden. Es geht ihnen also nicht nur um reine „Traditionspflege“, die als Grundlage etwa der zahlreichen Hausvereine der Korporationen angegeben wird, sondern um eine Weitergabe von Macht (Stellen- und Finanzangebote, Kontakte zu Institutionen und Politik u.a.) und Privilegien (Zugang zu Wohnraum, Bildungsangeboten, Reisemöglichkeiten u.a.). Bartscher nennt dies eine „do-ut-des-Politik“ der Alten Herren, also ein Handel auf Gegenleistung. (zit. nach Schäfer, Gerhard: Vom Tiefschlaf zur nationalen Euphorie. (1969 bis heute) in: Elm et al. a.a.O., S. 229) Empirisch ist die gesellschaftliche Machtoption der Korporationen indes derzeit wohl nur noch regional gegeben, wie in Bayern und Österreich, und in bestimmten Systemen, wie der katholischen Kirche. (vgl. Interview Michael Hartmann) Schließlich erwachsen auch den Alten Herren durch die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden an die gemeinnützigen Hausvereine der Korporationen finanzielle Vorteile. Denn die Verbindungshäuser werden in der Regel von eingetragenen Vereinen verwaltet. Ein DB-naher „Verband für Studentenwohnheime“ in Bonn betreute 2011 149 Wohnheime, 29 davon gehörten der DB an. Der Verband scheint hauptsächlich aus Waffenstudenten und deren Wohnheimen zu bestehen. Das Spendenaufkommen für 2010 betrug laut Unterlagen zum Burschentag 2011 4,74 Mio. Euro. Geschäftsführer ist der Rechtsanwalt Michael Röcken, Mitglied einer Verbindung im Coburger Convent und Spezialist für Vereinsrecht.
Gemeinnützigkeit ist laut § 52 der Abgabenordnung die „auf selbstlose Förderung der Allgemeinheit auf materiellem, geistigen oder sittlichem Gebiet gerichtete Tätigkeit“. Darunter fallen etwa Bildung und Erziehung, aber auch „Brauchtum“ und „Förderung des Heimatgedankens“, worauf sich die Studentenverbindungen im Allgemeinen berufen. Gemeinnützige Vereine zahlen keine Grund-, Gewerbe- und Körperschaftssteuer und können u.a. den verminderten Umsatzsteuersatz in Anspruch nehmen. Der DB-Beauftragte für Studentenwohnheime Konrad Thullen spricht 2008 allerdings von einem „immer schwieriger werdenden Handling der Gemeinnützigkeit“ für die Korporationen. (Tagungsunterlagen Burschentag 2009, S. 22)
Während Füxe und Burschen also Verbindungsalltag und Studium unter einen Hut bringen müssen, stoßen die Alten Herren zu Kneipen und Festen dazu, wenn es ihnen passt. Dies ist zunächst ein wesentlich freierer Zugang und Umgang mit der Organisation als der, den die Burschen haben.
Auf lange Sicht gesehen liegt die Macht bei der Organisation Studentenverbindung bei den Alten Herren. Dies wird von den Korporationen in der Regel bestritten, mit dem Hinweis, die Studenten regelten ihre Angelegenheiten selber. Doch das gesamte materielle und ideelle Regelwerk wird von den Alten auf die Jungen „vererbt“, und wer die oben genannte Erziehung erlebt hat, der hat schon Normen und Einstellungen der Verbindung verinnerlicht, und wird die Institution als solche kaum mehr in Frage stellen. Und freilich sind die Altherrenvereine stimmberechtigt bei den Verbandsversammlungen.
So gründeten sich ab 1949 etwa die Corps wieder auf Betreiben ihrer Altherrenschaften. Brandt formuliert bezeichnend für die Nachkriegszeit: „Sie [die Alten Herren der Korporationen] legten sich wieder Activitates zu.“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 6) – Andererseits gibt es auch genügend Konflikte. So spricht Stempel von „Skepsis“ der Alten Herren in Würzburg und gar deren „Widerstand“ in Berlin, ihre Corps nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu gründen. Demgegenüber standen offensichtlich hochmotivierte Studenten. (vgl. Stempel, Peter: Wiederbeginn in feindseliger Umwelt – das alte Erbe und die Umwertung der Werte. In: Baum a.a.O., S. 216 ff.)
Vor allem aber waren programmatische Kämpfe seit den 1960er-Jahren Grund zur Auseinandersetzung zwischen Burschen und Alten Herren. Bei den Katholiken etwa stand das Prinzip der Religion immer wieder in Frage, bei den Corps wurde die Pflichtmensur debattiert. Beide Prinzipien konnten sich halten.
Größere Veränderungen zeigen sich seitdem aber in der Öffnung mancher Verbände für Frauen, sowie in der Zersplitterung der Deutschen Burschenschaft seit den 1990er Jahren. Gerade im Falle der DB bestanden aber über lange Krisenzeiten hinweg noch institutionelle Kontakte zwischen völkisch-nationalen sowie „gemäßigten“ Burschenschaften über die Altherren-Organisationen – ein Indiz für deren integrative Kraft und der Wille zum „Aussitzen“ von politischen Umwälzungen der einzelnen Verbindungen.
Verschiedentlich wird die Studentenverbindung als „Parodie“ auf die Erwachsenenwelt dargestellt, wie oben bei der Kneipe schon erläutert wurde. Die Alten Herren können nach Belieben ins „Kampfgeschehen“ nach Girtler eintreten und gleichzeitig nostalgische Gefühle aufleben lassen in den Ritualen, die sich seit jeher wiederholen, und die Identifikation und „Gemeinschaft“ stiftet. Gerade durch den Mantel des Unernstes und des Spiels bietet sich hier für die ausstudierten Mitglieder die Möglichkeit einer psychischen Regression, die sozusagen das Gegenstück zu der Initiation der Neumitglieder darstellt.
„Es sollte Allgemeinwissen werden, dass die Verbindungen seit 200 Jahren Demokratien im modernen Sinne darstellen“, sagte 1997 Friedhelm Golücke auf einer Tagung des Coburger Convents, des Verbandes des schlagenden Landsmannschaften und Turnerschaften. (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 156) Denn: „Ihre Überschaubarkeit erzwingt eine tatsächliche Basisdemokratie, die nicht, wie in einer studentischen Vollversammlung, unterlaufen werden kann.“ (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 152) Die Altherrenschaften seien „allenfalls ein Puffer zur Überbrückung begrenzter Krisen, aber keine Lebensversicherung.“ (ebd., S. 153) – Liegt also die Macht in den Verbindungen doch bei den Studenten?
Zunächst sind auf der beschlussfassenden Versammlung der Verbindung („Convent“) in der Regel alle Burschen stimmberechtigt. Füxe sind dies nicht, sie haben noch keine Vollmitgliedschaft und müssen zunächst durch den Erziehungsapparat der Verbindung gehen. Dort werden sie mit teilweise entwürdigenden Ritualen konfrontiert, etwa in der Kneipe, wo sie den Burschen zu Diensten sein müssen. Der Zugang zur Verbindung ist also eingeschränkt und mit Initiationsprüfungen versehen, was die Klientel der Burschen – einschließlich deren Verhalten und Einstellungen – tendenziell homogen macht. (s. Kap. „Die studentische Kneipe“)
Am offensichtlichsten ist die Zulassungsbeschränkung für Studentenverbindungen allerdings beim Kriterium des Geschlechts, denn die meisten Bünde nehmen keine Frauen auf (dazu siehe nächster Punkt). „Weichere Faktoren“ der Aufnahme sind die Fachbereiche und die Milieus, aus denen die Füxe rekrutiert werden. In Literatur und Statistiken sind in der Regel viele Juristen und Mediziner zu finden, dies hängt aber auch damit zusammen, dass dies – neben der Theologie – die ursprünglichen Universitätsfächer sind. Außerdem scheint für viele Verbindungen die Altherrenschaft mit „Keiladressen“ aufzuwarten, also mit Kontakten zu vielversprechenden Kandidaten, die wohl aus der Verwandtschaft der Korporierten kommen dürften.
Hat man es denn in die Verbindung geschafft, so kann der Aktiven-Bund einen missliebigen Fux oder Burschen per Conventsbeschluss wieder ausschließen – schlimmstenfalls cum infamia, „mit Schande“ – wovon auch z.B. bei der Deutschen Burschenschaft regelmäßig Gebrauch gemacht wird. (s. Art. Deutsche Burschenschaft, sobald veröffentlicht) Die einzelnen Verbindungen und Verbände haben dabei jeweils sehr unterschiedliche Tendenzen zur Integration oder Aussonderung etwa politisch allzu aktiver Personen. Insofern gibt es deutliche lokale Traditionen und Mentalitäten in allen Korporationen, die auf der Mikroebene relativ autonom agieren können.
Auch haben die Bünde auf den jeweiligen Verbandstagen in der Regel das gleiche Stimmrecht und -gewicht wie etwa die Altherrenvereinigungen. Deswegen gibt es natürlich auch Auseinandersetzungen und Streit zwischen den Parteiungen, am besten sichtbar bei den Burschenschaften, die regelmäßig darob in die Schlagzeilen geraten.
Die Hürden der Aufnahme zusammen mit Erziehung und Entscheidungsfindung durch den Bund betrachtend, kamen innerverbandliche Kritiker des Akademischen Turnbundes ATB schon in den 1960er-Jahren zu dem Schluss, dass man bei ihrer Verbindung allenfalls von einer „formaldemokratischen“ Organisation sprechen könnte. (zit. nach Schäfer: Tiefschlaf a.a.O., S. 228)
Und zusammenfassend interpretieren nicht nur verbindungskritische Theoretiker die Studentenverbindungen als einen „vormodernen Korporatismus“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 1), oder eine „Mischung aus mittelalterlichem Personenverband und (…) moderner, demokratisch verfasster Vereinigung (…).“ (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 152) Die Verbindungen nehmen zahlreiche Anleihen an der vorbürgerlichen, „ständischen Lebensform“ (Schäfer: Tiefschlaf in: Elm et al. a.a.O., S. 237), durch die jeder Mensch an den rechten Ort bzw. Status geboren wird. Die hier gebotene Mentalität ist anfällig für Nationalromantik und völkisches Denken und eng an einen spezifischen Entwurf von Männlichkeit gebunden. (Dazu siehe nächste zwei Punkte.)
Auch auf einer größeren gesellschaftlichen Ebene wird der eingangs gerühmte „demokratische“ Charakter von Korporationen von Kritikern in Frage gestellt. Denn aufgrund ihres Lebensbundes finden auch nach der Aktivenzeit noch Auswahlprozesse statt. Es gibt nach wie vor viele Hinweise, dass sich die korporierten Netzwerke beruflich auszahlen: In den Verbandszeitschriften werden Stellengesuche veröffentlicht, Sonderkonditionen bei Angeboten versprochen, Gastbeiträge von Wirtschafts- und Politikfunktionären veröffentlicht. Es gibt „Wirtschaftszirkel“ z.B. beim CV, Empfänge mit Politik und Hochschule, und von „Karrieren“ und „Konnubien“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O. S. 3) durch die Korporationen ist offen die Rede. Teilweise werben die Bünde auch mit ihren gesellschaftlichen Beziehungen. Diese „Seilschaften“ (Schäfer, Gerhard: Cliquen, Klüngel und Karrieren – Beziehungen und Ver-Bindungen, in: Elm et al. a.a.O., S. 308) sind schwer belegbar und mögen früher wirksamer gewesen sein. (vgl. Kap. „Führung und Elite“) Jedoch nennt Schäfer die hier ablaufenden Prozesse an sich eine „klassenstrukturell vermittelte Elitenreproduktion“ (zit. nach Schäfer: Cliquen in: Elm et al. a.a.O., S. 316), die schlicht „undemokratisch“ sei, da sie sich ohne öffentliche Kontrolle vollziehe. (ebd., S. 308
Um die psychosozialen Dynamiken der Studentenverbindungen zu verstehen, muss man näher auf die Sozialisation von Männern im Männerbund eingehen. Sozialisation ist gleichzeitig Vergesellschaftung des Menschen wie auch Ausbildung des eigenen, persönlichen Standpunktes in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Einflüssen. (vgl. Hillmann, Karl-Heinz: Sozialisation. In: ders., Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 2007, S. 818) – Zentral für das Verständnis von männlicher Sozialisation ist nun die „unsichere Rolle des Mannes“, der sich erst kulturell auf eine heterosexuelle Gatte-und-Vater-Rolle festlegen muss. Die Erlangung des männlichen Selbstwertgefühles nennt Lipp einen „schwierigen, gekünstelten und höchst angespannten Prozess“, bei dem „Lizenzen zur Heterosexualität“ vergeben werden. (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 371) Hierzu findet eine Abgrenzung gegen „Nicht-Männer“ statt, etwa Kinder und „Schwächlinge“. (ebd.) Der gleiche Autor zählt die Abgrenzung gegen Frauen gerade nicht hierzu, und beruft sich auf die ehrenden „Loblieder“ auf die Frauen. (ebd., S. 370) Ein anderes Bild zeichnet Sebastian Winter im Interview: Die Frau sei hier eine elementare „Gefahr“ (s. Interview Sebastian Winter, sobald veröffentlicht) für den Mann und müsse ständig überhöht oder abgewertet werden.
Was sagen die Verbindungen selber dazu? Beim Corps-Studenten Girtler heißt es: „Der Männerbund bietet dem Mann den Vorteil, sich freier darstellen zu können, während in gemischten Bünden viel eher die Gefahr besteht, wegen der Frauen in unangenehme Konkurrenzsituationen gebracht zu werden.“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 370)
Der gleiche Autor rechtfertigt „Distinktionsriten“ und „Mythen, mit denen er (der Korporierte – Anm. d. Red.) seine Vornehmheit deklariert und seine Distanz gegenüber dem ‚gewöhnlichen Volk‘ herausstreicht“ – dazu gehöre vor allem die Frau (Girtler in: Baum a.a.O., S. 370). Er gibt unumwunden zu: „Zu solchen Mythen gehört auch die Vorstellung, der Umgang mit Frauen verunreinige und schwäche den Mann.“ Dagegen schreibt Lipp, die Abgrenzung gehe gerade nicht gegen Frauen, sondern gegen „Nicht-Männer“: Kinder, „Schwächlinge“ und „Memmen“ (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 371).
Girtler betont weiterhin, dass es „bei den Clubs der Aristokraten und Ganoven gleichermaßen“ eigene Räume gebe, die von Frauen nicht betreten werden dürften. Diese Organisationen stünden im Gegensatz zum „braven Bürger, den durch die Zugehörigkeit zu einem reinen Männerbund Gewissensbisse plagen oder dem Schwierigkeiten drohen.“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 377)
In diesen Ausführungen wird deutlich, wie stark der Abwehrmechanismus gegen die Ambivalenzen der Sexualität (vgl. Interview Winter, sobald veröffentlicht) in den Verbindungen wirkt. Die mythische Männlichkeit wird mit Reinheit und Stärke assoziiert, die sich allein im Männerbund ungestört selbst darstellen kann. Wiederum wird bei Girtler das antibürgerliche, abenteuerliche und geheimnisvolle Element des Männerbundes beschworen. Durch Frauen wird diese Männlichkeit nach Girtler in eine „unangenehme“ Lage gebracht, weil Emotionen und somit Einzelinteressen entstehen. Dies unterstützt die These Winters, dass Emotionen den Bund zersetzen. (ebd., sowie Kap. „Freundschaft“). Außerdem wird hier noch einmal deutlich, dass der Männerbund eine Rolle genau zwischen Kindheit und Gatte-und-Vater-Rolle für den Einzelnen vorsieht, im Sinne des bereits angeführten „Übergangscharakters“ nach Turner.
Und nicht nur gegenüber Frauen können Emotionen entstehen. Die Heterosexualität wird durch die Verwerfung von Homosexualität erlangt (vgl. Winter, sobald veröffentlicht). Lipp nennt diesen Prozess „modulatorische Homosexualität“ (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 370). Winter betont, dass hieraus für die heterosexuelle „Normalmännlichkeit“ (s. Winter, sobald veröffentlicht) eine starke Abwertung dieser Homosexualität nötig wird. Im Männerbund, der sich nun über diese „Normalmännlichkeit“ definiert, ist deswegen eine starke Neigung zur Feindlichkeit gegen Homosexuelle anzunehmen, da die eigenen homosexuellen Neigungen stets neu verworfen werden müssen. Wie schon bei der Mensur behandelt, wird auch diese Abwehr im Männerbund besonders dramatisiert. Dies reicht etwa beim katholischen CV von einer traditionellen Vorstellung von Ehe und Familie bis zu Gastbeitragen über eine unterstellte „Homosexualisierung“ durch die EU und die Diffamierung von Gleichgeschlechtlichen, die Kinder als ihr „Konsumgut“ ansähen. (s. Art. CV, sobald veröffentlicht) Die DB rügte 2011 die Burschenschaft Alemannia Köln, die bei einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung in Uniform „chargierte“. (DB-Nachrichtenblatt 311 vom 07.02.2011, S. 6) Außerdem gibt die DB dem Autor Akif Pirinçci ausgiebig Raum in Vorträgen, der u.a. gegen Homosexuelle in Deutschland polemisiert. Und schließlich löste Adolf Hitler persönlich 1934/35 die „Kameradschaftshäuser“ der Korporationen auf, weil er homosexuellen Neigungen zuvorkommen wollte. (s. Kap. „Wegbereitung und Unterstützung des Nationalsozialismus. 1919 bis 1945.“)
Die in den Verbindungen konstruierte konfliktfreie und scheinbar asexuelle männliche Sozialform der „Freundschaft“ steht dementsprechend im scharfen Kontrast zu den verbalen Abgrenzungen und rituellen Kämpfen der Korporierten – findet doch der Kampf des heterosexuellen Mannes (und nicht nur des korporierten!) gegen seine homosexuellen Neigungen in ihm selbst statt.
Zur Frau steht der heterosexuelle Mann im Männerbund in einem gespaltenen Verhältnis, das sich bis zu einer monströsen Überlegenheit seitens der Frau steigern kann. Diese wird zunächst als wahlweise minderwertig oder erhaben angesehen. Dr. Stephan Peters zitierte in einem Vortrag seine ehemaligen Mitburschen einer katholischen Verbindung im Bezug auf vergangene sexuelle Partnerinnen mit der Regel: „Reste von Bundesbrüdern nimmt man nicht.“ – Dagegen stehen die gerne medial verbreiteten Bilder von Bällen und Hochzeiten, in denen Farben tragende Verbindungsstudenten Damen im weißen Kleid galant an der Hand führen. Winter spricht hier von dem „Männlichkeitsdilemma“, in dem die Frau abwechselnd als Hure und als Heilige gesehen wird (s. Interview, sobald veröffentlicht).
Die Ehefrau eines Korporierten zählte sich auf einer Tagung 1997 zum „positiven, ergänzenden Teil“ der Korporationen (Wortmeldung in Brandt, H.-H. a.a.O., S. 399). Hier lohnt es sich einmal die Worte auf die Goldwaage zu legen: Der Männerbund definiert sich negativ, d.h. durch Ausschluss von Frauen. In ihrem Ausgeschlossensein haben die Frauen wieder Anteil an dem Bund, indem sie ihn „ergänzen“, also „ganz machen“. Die – von weiblicher Seite – behauptete „Ganzheit“ wird aber bezeichnenderweise auf individueller Ebene erreicht, in der heterosexuellen Paar-Beziehung. Die beiden Ganzheits-Vorstellungen aus Sicht des Männerbundes und der Ehefrau unterscheiden sich grundlegend: Im ersten Fall handelt es sich um einen vorgeblich asexuell-kollektivistisch-vertraglichen Entwurf, im zweiten um einen heterosexuell-individualistisch-emotionalen. Mehr noch: Die Frau wird – wie obenstehende Korporierte freimütig schildern – vom Männerbund abgewertet, als „gemein“ und „schwächend“ angesehen, aber doch in einiger Distanz akzeptiert. Der Bund konstruiert die Frau demnach als Übermacht, die es auszuhalten, gegen die es sich aber gleichzeitig zu wehren gilt.
Bezeichnenderweise sieht Girtler Männerbünde als „Rückzugsgebiet angesichts mutterrechtlicher Tendenzen“, und bezieht sich auf die Untersuchungen von Thomas Schweizer und Wolfgang Lipp. Männerbünde seien demnach „nicht charakteristisch für patriarchale Kulturen.“ (Girtler in: Baum a.a.O., S. 370) Das höchst umstrittene Konzept des Mutterrechts bzw. Matriarchats soll hier nicht weiter vertieft werden, auch Girtler geht nicht weiter auf die Begriffe ein. Seine Argumentation postuliert die Übermacht der Frau und überhöht diese mit dem Begriff des „Mutterrechts“ ihrerseits ins Mythische. Der männerbündische Mann wird hier strukturell in eine Opferrolle gebracht, bezeichnenderweise von einem Corps-Autor, also einem Vertreter der ältesten bestehenden Verbindungsform.
Während die Bünde sich emphatisch auf Traditionen und Werte beziehen, werden diese von Kritikern wie Ute Frevert und Ludwig Elm als funktionale Aspekte gesellschaftlicher Machtpositionen bezeichnet. So formulieren Korporationen laut Elm ihre Interessen schlicht als „Werte“ (Gemeinwohl, Führungskraft o.ä.) und untermauern sie mit einem „absondernden Brauchtum“ (Uniformen, Mensur etc.), um eine „organisierte Gruppenmacht“ zu festigen (Elm, Ludwig: Das Vergangene ist nicht vergangen (1945 bis 1969). In: Elm, Ludwig et al. a.a.O., S. 328). Sowohl Brandstetter als auch Winter interpretieren dies als Sicherung der Machtstellung von Männern (vgl. entsprechende Interviews). All dies spricht dafür, dass das Korporationswesen in seiner traditionellen männerbündischen Form zutiefst sexistisch ist.
Und mehr noch: Aus dem Männerbund könnte etwa nach Schäfer ein struktureller Gegensatz zu demokratischen Werten erwachsen. Demnach stehe das tradierte deutsch-wilhelminische Ideal des „Dienens um zu Opfern“ seit jeher gegen als „weiblich“ empfundene Werte von „Demokratie, Selbstentfaltung und Glück“. (Schäfer, Gerhard: Vom Tiefschlaf zur nationalen Euphorie (1969 bis heute) in: Elm et al. a.a.O., S. 231)
Die „Damenfrage“ (Pabst, Martin: Zwischen Verein und Korporation: Die nicht farbentragenden Gesangs- und Turnverbindungen im SV bzw. ATB. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 334) für sich gelöst haben seit 1968 die Turner- und Sängerschaften, indem sie jedem Bund freistellten sich für Frauen zu öffnen oder nicht. Die damaligen Reformer wollten eine „auf Hochschulebene abgeschlossene Entwicklung auf Bundesebene nachholen“, Ihre konservativen Gegner meinten hingegen, dass „nur die Organisationsform des Männerbundes die Verwirklichung des Freundschaftsideals“ ermögliche. Außerdem äußerten sie die Befürchtung, dass die – zweifellos männlich bestimmten – korporativen Traditionen und Werte durch die Aufnahme von Damen weiter in den Hintergrund gerückt würden“ (Pabst in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 335). Das Stichwort des „Freundschaftsideals“ zeigt hier noch einmal, wie ein harmonischer, überhöhter Raum im Männerbund kreiert wird, hinter dem ein unharmonischer, konfliktbehafteter oder einfach banaler Raum der heterosexuellen Partnerschaft bzw. Familie aufscheint.
Auf die Frage hin, warum sie sich einer Frauenverbindung angeschlossen habe, antwortete Katja Sommerkamp 1997 folgendermaßen: Sie wollte ein „Trainieren“ in Solidarität, Fairness und demokratischen Formen, und dabei „Konkurrenzgehabe“ und „widerliches Weibchentum“ vermeiden (Sommerkamp, Katja in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 401). Petra Gärdtner betont die persönliche „Leistungsbereitschaft“, die meist höher sei als bei den Männerbünden wegen des meist fehlenden „mitgliederstarken und damit finanziell potenten Philisteriums“. (Gärdtner, Petra: „Wer lebt in unserm Kreise, und lebt nicht selig drin?“ – Frauen in studentischen Korporationen. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 390) Ihre Tätigkeit nennt sie ein „jahrelanges ehrenamtliches Engagement in Führungsposition“. (ebd.) Und „Emanzipation“ sei nach Katja Sommerkamp ein „Thema, über das wir nicht mehr reden müssen“. Weiter: „Wir sind emanzipiert, Entschuldigung, das ist für uns selbstverständlich.“ (Sommerkamp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 401)
Die Verniedlichung der eigenen Geschlechtsrolle wird also hier abgetan, ein eigener konfliktfreier Raum abgeschieden von sexuellen Spannungen etabliert, sowie das Ideal einer Leistungselite konstruiert. Diese Aspekte stimmen mit denen des Männerbundes überein, wie überhaupt die „Damenverbindungen“ die Eigenschaften des Männerbundes weitestgehend übernommen haben.
Da Frauen in den Machtpositionen unterrepräsentiert sind, könnte man diese Vergemeinschaftung und Solidarität als emanzipatorisch interpretieren. Doch zwei Aspekte lassen erhebliche Zweifel an dem emanzipatorischen Potenzial von „Damenverbindungen“ aufkommen: Erstens eben die komplette Übernahme der männlichen Formen, von der „Erfindung von Traditionen“ (nach Ranger/Hobsbawm; Rückgriff auf ältere Elemente in Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs, der insgesamt aber Neuartiges konstituiert; für die Epoche des deutschen Kaiserreiches typisch, vgl. Jarausch, Konrad: Korporationen im Kaiserreich: Einige kulturgeschichtliche Überlegungen. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 67) bis hin zur rollenzuschreibenden Diktion der „Damenverbindung“; zweitens die oben genannte fehlende reale Machtoption. Die Frauenverbindungen sind oft strukturell abhängig von Männerbünden und gründen sich quasi als „Ableger“ derselben, so geschehen etwa bei den katholischen Verbindungen des KV in Mainz. Wie bereits oben angeklungen, verfügen Frauenverbindungen über kein jahrhundertelang gewachsenes Netzwerk, da korporierte Frauen nie reale Machtpositionen hatten. Und selbst in einem weitgehend gemischten Bund wie dem ATB beträgt der Frauenanteil nur 13 Prozent. (s. Art. ATB, sobald veröffentlicht) Sie sind noch immer die Emporkömmlinge an den Universitäten, die laut mancher Verbindungsapologeten durch „massenhaftes Einströmen“ zur „Vermassung“ (Brandt, H.-H. a.a.O., S. 7) beitragen und somit obendrein diffamiert werden. Die Rede Gärdtners von der höheren Leistungsbereitschaft der Frauen zeigt, dass die Damenverbindungen ihre gesellschaftliche Benachteiligung akzeptieren und auf individueller Ebene kompensieren wollen. Im Wortbeitrag von Sommerkamp wird bezeichnenderweise gesagt, man müsse über „Emanzipation“ der Frau „nicht mehr reden“ – nach den genannten Argumenten kann man darin ein bereitwilliges Verschweigen männlicher Dominanz sehen.
Die Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit leitet Lipp aus der Französischen Revolution her, genau wie die gegenseitige vertragliche Verpflichtung zur „Freundschaft“. (Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 375) In der Aufklärung bewies sich erst in der Willensentscheidung die Freiheit und Moral des Menschen; und demnach auch ein sittliches Staatswesen, in dem die Mitglieder füreinander bürgten – und zu „Bürgern“ wurden.
Die oben genannte, pathosgeladene Rede von der „Verheißung“ einer grandiosen Zukunft hat kulturgeschichtliche Parallelen in der Dichtung des Sturm und Drang, in dem jugendlicher Überschwang idealisiert wurde. Diese Vorstellungswelt findet sich gerade bei den Corps wieder, die sich direkt auf die Aufklärung beziehen und sich als „unpolitisch“ bezeichnen. Stattdessen hat sich der Corps-Verband KSCV das Ideal der „Freiheit“ auf die Fahnen geschrieben, das eine deutliche männlich-chauvinistische Tönung erfährt. Girtler: „(…) ein Ideal, das sich einer exakten Beschreibung entzieht, das aber für das spätere Studentenleben bestimmend und in Liedern immer aufs Neue besungen wird“. (Girtler in: Baum a.a.O., S. 344) Er beschwört den „freien Burschen“ vergangener Jahrhunderte als fahrenden Gesellen, der Waffen trägt, Liebschaften hat und nur widerstrebend ins Berufsleben eintritt. (ebd., S. 350ff.) Die Mainzer Burschenschaft Germania Halle betont auf ihrer Homepage die „Freiheit des Geistes und die Unabhängigkeit und Selbständigkeit des Denkens“, die eine unbedingte „Mitarbeit am Gemeinwesen“ beinhalte – ein Hinweis auf die politische Ausrichtung der Burschenschaften allgemein.
Der katholische Verband CV fasst es moralphilosophisch: „Freiheit heißt nicht, tun und lassen können, was man will, sondern was man soll.“ (CV-Handbuch, zit. nach: Peters, Stephan: Verbindende Verbände. Ein Lesebuch zu den politischen und sozialen Funktionen von Studentenverbindungen. Marburg 2000, S. 58) – Dieser Begriff von Freiheit geht auf die Aufklärung zurück, in der Kant die Einsicht in die Pflicht als höchste ethische Leistung des Menschen ansah. Der Rückbezug auf diese Geistesgeschichte wird seitens der Verbindungen gerne geführt, besonders die Corps sehen ihre Wurzeln in der Aufklärungszeit.
Hier wird einerseits wieder deutlich, wie stark die Korporationen in der Ideenwelt des 18. Jahrhunderts (Corps) und der Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts (Burschenschaften) wurzeln, und ein romantisch geprägtes Ideal von Freiheit und Männerfreundschaft aufrecht erhält.
Doch schließt sich hierin ein hoch exklusives System gegen seine Umwelt ab: Der Zugang zu der Gleichheit ist ungleich, so wie auch Kant und Schiller zu einer privilegierten Schicht von Männern gehörten, die sich auf zeitgenössische Institutionen wie den Adel auch materiell verlassen konnten. Die Corps als traditionsreichste Verbindungsform waren in der Geschichte meist monarchistisch eingestellt.
Die Prozesse der Massenpsychologie, die das (in diesem Falle männliche) Individuum an die Gruppe binden, beleuchtet Sebastian Winter im Interview (s., sobald veröffentlicht): In der Selbstaufgabe hat das Mitglied Teil an einer kollektiven, imaginierten Größe. Für diesen größeren Gewinn verschmerzt es im wahrsten Sinne des Wortes die genannten Kosten der Konformität. Wichtig ist festzuhalten, dass der Bund ein vertraglich bestimmtes Kollektiv ist, in dem die Freundschaft keine individuelle oder freiwillige Angelegenheit ist. § 1 der Statuten des Corps-Verbandes KSCV besagt: „Das Corps ist eine Vereinigung von Studenten mit dem Zweck, die Mitglieder in aufrichtiger Freundschaft auf Lebenszeit zu verbinden […]“ (Stempel in: Baum a.a.O., S. 234 f.). Ähnliche Formulierungen finden sich in allen Statuten von Korporationsverbänden. Die hier vorgebrachte Freundschaft hat nichts mit Sympathien zu tun, sondern ist eine verfassungsmäßige Verpflichtung.
Winter betont, dass individuelle und gefühlsmäßige Beziehungen, besonders Liebesbeziehungen, den Bund zersetzen. In einer NDR-Dokumentation über das Corps Lusatia Leipzig von 2014 gesteht ein Bundesbruder dem anderen, er habe ihn am Anfang „gehasst“ und wäre außerhalb der Verbindung nie mit ihm klargekommen (NDR: 7 Tage… in der Studentenverbindung. Sendung vom 01.11.2015, Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/7-Tage-in-der-Studentenverbindung,sendung418276.html, Stand 21.04.2016). Doch als Teil des Kollektivs konnte er den anderen akzeptieren lernen. Dies ist das, was ein Tagungsteilnehmer das „Prinzip gegenseitiger Erziehung“ im „Verfassungsrang“ (Wortmeldung Rainer Assmann, in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 54) genannt hat, und was (unter anderem) bei den Corps als „Toleranzprinzip“ gehandelt wird: Der Zusammenhalt des Kollektivs ist institutionalisiert, egal was die Individuen für Neigungen und Präferenzen haben. Der Begriff der „Freundschaft“ ist hier irreführend, weil er tatsächliche Sympathie suggeriert. Arthur Koestler konnte vor hundert Jahren noch das treffendere Wort „Kameradschaft“ (zit. nach Girtler in: Baum a.a.O., S. 358) verwenden, das heute jedoch kompromittiert ist und von den Verbindungen vermieden wird.
Ein Ausstieg aus dem Lebensbund gestaltet sich schwierig. Dass im Bund mehr zu verlieren ist als nur die Mitgliedschaft, zeigt die Möglichkeit etwa bei der DB, ein Mitglied „mit Schande“ auszuschließen, die dimissio cum infamia. Den Ehrverlust eines Austritts mag ein Kommentar in einem Internetforums von 2009 verdeutlichen: „Bei Studentenverbindungen als (üblicherweise) Lebensbünden ist der eigenmächtige Austritt übrigens fast immer eine dimissio c.i. (Du wirst BRENNNNNENNNN!)“ (http://www.juraforum.de/forum/t/vereinsausschluss.281685/, Stand Mai 2015)
In vielen Ritualen, Selbstüberwindungen und Verletzungen lernt das Individuum sich im Bund unterzuordnen und seine Affekte zu kontrollieren, und sich dadurch selbst zu erhalten (vgl. Möller in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 417). Der Exzess, die Narben und das Miterleben schweißen zusammen. Es kommt nicht von ungefähr, dass neue Generationen von Waffenstudenten immer wieder die militärische Auseinandersetzung suchten. Exemplarisch soll hier die Weimarer Republik genannt sein: Matthias Stickler spricht von einer „Renaissance von Mensur- und Duellschlagen als Ersatz für das Fronterlebnis“. (Stickler, Matthias: Zwischen Reich und Republik. Zur Geschichte der studentischen Verbindungen in der Weimarer Republik. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 99) Auch heute suchen Burschenschaften wie Germania Halle die Nähe von Reservistenverbänden und Bundeswehr, und bewahren deren Publikationen und Symbole in ihren Räumen auf. Früher machte dieselbe Verbindung auf ihrer Homepage klar, dass sie keine Kriegsdienstverweigerer aufnehme.
Winter betont, dass durch ihre autoritär-kollektive Organisation, die sich mit einem speziellen männlichen Freiheitsbegriff verbindet, politisch rechte Positionen den Studentenverbindungen „habituell nahe liegen“. (s. Interview, sobald veröffentlicht) Das heißt, dass sich die autoritäre Struktur des Bundes im Verhalten des Mitgliedes wiederfindet. In einer entsprechenden Studie au der Zeit des Kaiserreiches beschreibt ein Mediziner seine Erziehung in der Verbindung: „Meine Selbstbehauptung und mein Selbstgefühl wurden gekräftigt, die zu große Weichheit wurde weggespült, ich lernte hören und schweigen, ich lernte aber auch kritisieren und energisch meinen Standpunkt vertreten, wo es mir zukam – kurz: Ein Stück weit gehorchen und befehlen.“ (zit. nach Möller in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 418) Die Autorin betont, dass dies fast wörtlich dem Regelwerk des Bundes entsprach, dass also die rückblickende Wahrnehmung durch den Bund strukturiert worden sei. (ebd.)
Zu Erklärung dieser Verinnerlichung der Autorität ist laut Winter die Theorie des „autoritären Persönlichkeit“ von Theodor W. Adorno (bzw. vorher Erich Fromm) nach wie vor aktuell. Dieser prägte das Modell der „konformistischen Rebellion“, derzufolge ein „Freiheitsgefühl“ durch ein äußeres Feindbild und eine Vorstellung kollektiver Größe entstehe. (s. Interview , sobald veröffentlicht)
Im Kaiserreich seien nach Möller die „selbstlose Unterwerfung unter ein höheres Ganzes“ sowie die „Zurückstellung materieller, individuell-egoistischer Bedürfnisse gegenüber von Ideen“ gesellschaftlich anerkannte Eigenschaften gewesen, die eng mit einem nationalistischen Ehrbegriff und einem Männlichkeitsideal verbunden gewesen seien. (Möller in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 417) Winter nennt diese Dynamik ein „kollektiv-narzisstische[s] Größe- und Überlegenheitserleben“ (s. Interview, sobald veröffentlicht), in dem über die Abwehr von Weiblichkeit eine konfliktfreie Männlichkeit konstruiert wird. Nach Möller wurde im Kaiserreich der Mechanismus der Studentenverbindung direkt auf die Vorstellung von der Organisation des Staates übertragen. (Möller in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 419) Die Korporations-Erziehung sollte nach Jarausch den Burschen befähigen zu „dienen – freiwillig, um einst herrschen zu können.“ (Academische Monatsblätter 1884/5, S. 259ff., zit. nach Jarausch, Konrad: Korporationen im Kaiserreich: Einige kulturgeschichtliche Überlegungen. In: Brandt, H.-H. a.a.O., S.73) Was hier für das Kaiserreich galt, ist auch heute noch das Versprechen der Korporation an den Einzelnen: der Aufstieg vom Fux zum Burschen, vom Studiosus zum Offizier oder Chef. Dies ist der realistische Aspekt der oben genannten „Verheißung“, die die Mitglieder im Bund erfahren.
Wie bereits angedeutet, sind die Korporationen des Kaiserreichs relativ gut erforscht. Der viel zitierte „Untertan“ von Heinrich Mann hat dieses Bild entscheidend mitgeprägt. Tatsächlich scheinen die schlagenden Verbindungen dem Kaiserreich nachzutrauern, wenn etwa Burschenschaften „Reichsgründungskommerse“ feiern und mit den Corps die Bismarck-Verehrung teilen. Da heute sowohl der Nationalismus als auch die Männlichkeit fragwürdig geworden sind, bleibt wieder nur zu fragen, wo der gesellschaftliche Anschluss von Verbindungen liegt, die solche Praktiken und Ideale pflegen.
Zunächst liegt der wichtigste Gewinn, das eigentliche Ziel der massenpsychologischen Dynamik, im Kollektiv selbst, wie Sebastian Winter betont. Das heißt, die „Werte“, „Ideale“, vor allem aber die Rituale der Mitglieder von Verbindungen zielen darauf, die aktuelle und konkrete Ordnung zu bestätigen und zu erhalten, also die Gruppe. Wenn dies nicht mehr gewährleistet werden kann, gibt es große Probleme. So stellte der KSCV angesichts von Nachwuchsproblemen 1984 fest, erst müsse man „das Haus bestellen“, dann kämen die Grundprinzipien. Allerdings müssten „dazu wir [die Corps] erst mal wissen, was wir wollen.“ Auch die katholischen Verbindungen haben in den letzten Jahrzehnten Nachwuchsmangel gehabt und ihre Prinzipien auf den Prüfstand gestellt. 1999 heißt es in der Verbandszeitung Academia: „Der CV in seinem 143. Jahr präsentiert sich wie ein Trachtenverein, dem die Pflege der alten Traditionen schon deswegen am meisten am Herzen liegt, weil es deren einziger Inhalt ist.“ (Netz, Kerstin: Aurea Moguntia. Die Korporationen des CV in Mainz. In: Friess-Reimann, Hildegard et al. (Hg.): Mainzer kleine Schriften zur Volkskultur. Bd. 13, Mainz 2001, S. 123) – Hier sieht man den ideologischen „Leerlauf“, oder die Verwirrung, in die solche Organisationen verfallen, wenn ihre Formen keinen sozialen Anklang mehr finden. Seit der Studentenbewegung der 1960er Jahre sind die Verbindungen nicht mehr repräsentativ für die Studentenschaft, wie sie selber erkennen. (vgl. z.B. Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 152)
Mit den Spaltungen der Deutschen Burschenschaft der letzten Jahre wird klarer, dass einige Verbindungen immer mehr an den Rand der Gesellschaft geraten. Gerade die Burschenschaft zeigt, dass das aggressive Potenzial der schlagenden Verbindungen diese geradezu zu Vorreitern eines neuen Nationalismus macht, der in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Krisen gesellschaftlich wieder salonfähig wird.
„Volkstums-Arbeit: Vornehmste burschenschaftliche Aufgabe“ titelte eine Schnellinfo der DB am 26. Juni 2006. Darunter sei zu verstehen „das dauernde rechtsstaatliche Wirken für die freie Entfaltung deutschen Volkstums […] unabhängig von staatlichen Grenzen in einem einigen Europa in der Gemeinschaft freier Völker.“ (Art. 9, Abs. 2 der Verfassung der Deutschen Burschenschaft , zit. nach DB-Schnellinformation Nr. 16 vom 26. Juni 2006) macht den für die Deutsche Burschenschaft so wichtigen „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ (DB-Schnellinformation Nr. 14 im Geschäftsjahr 2009-201, 07.03.20100; vgl. a. Volk, Staat, Nation, Vaterland – Grundbegriffe burschenschaftlicher Politik in: Verlag BurschenDruck (Hg.): Handbuch der Deutschen Burschenschaft. Traunstein 2005, S. 243ff.) deutlich, der das deutsche Volk auf die Bundesrepublik, Österreich, Südtirol, Ungarn, Schlesien u.a. verteilt sieht und um eine Einheit desselben bemüht ist. In der Wendung der „freien Völker“ taucht auch wieder der Begriff der Freiheit auf, der hier nationalistisch gefasst ist.
Dass das Volk ein gefährdetes sei, betonte etwa 2003 die Burschenschaft Germania Graz: Sie stellte einen Antrag auf Wiedereinführung der Pflichtmensur, der u.a. mit einem Begriff von „Globalismus“ begründet wird: „Angesichts der Gefährdung unserer nationalen Identität durch die gegenwärtige globalistische Entwicklung, erwachsen der Burschenschaft besondere Aufgaben und Herausforderungen, die uns insgesamt eine härtere, straffere Ausrichtung auferlegen.“ – So behauptete Gefährdungen machen aus Verbindungen partikularistische Vereinigungen, die universale Konzeptionen wie Menschenrechte und Solidarität aufteilen in Nationen oder „Völker“.
Die dezidiert politische Ausrichtung des Verbandes und der von ihm vertretene volkstumsbezogene Vaterlandsbegriff führt immer wieder zu Einlassungen, die gegen „Umvolkung“ und „Überfremdung“ wetterten und Migranten aus dem Verband per Satzung ausschließen sollten. Dass einzelne Burschenschafter tatsächlich von einer solchen Revolution träumen, tun diese öffentlich kund. (vgl. Art. Deutsche Burschenschaft, sobald veröffentlicht)
2011 brachte die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn einen Antrag in den Burschentag ein, der deutsche Abstammung zum Kriterium der Mitgliedschaft in der DB machen sollte. Der Antrag wurde abgelehnt, aber heftig in Medien und Politik diskutiert. Ein entsprechendes Rechtsgutachten nahm dazu der damalige Sprecher der DB, Stefan Dobner, in Schutz, indem er angab, das Abstammungsprinzip als ius sanguinis habe auch in Deutschland über Jahrzehnte Bestand gehabt. (DB-Schnellinformation Nr. 9 im Geschäftsjahr 2011, 22.06.2011, S. 5) Da dieses Prinzip in Österreich noch gelte, trage das Gutachten auch der dortigen Rechtssprechung Rechnung. Die DB umfasst bundesdeutsche und österreichische Burschenschaften. Der Antrag führte aber „nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie“ auf, die „auf die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung“ hinweise. Der Schluss: „Mangels deutscher Abstammung kann eine solche Person auch nicht der geschichtlichen Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes angehören.“ (alle Zit.: Tagungsunterlagen Burschentag 2011, S. 52) – Dies ist eine biologistische Begründung eines Ethnopluralismus, die nur umständlich den Begriff „Rasse“ umgeht.
Bezeichnenderweise wurde der „Wehrgedanke“ von der Burschenschaft in den letzten Jahrzehnten wieder betont. In einem Nachrichtenblatt Ende 2003 heißt es: „Der Wehrgedanke, in seiner weitesten Bedeutung, ist gewachsenes Fundament des Waffenstudententums. Für den Burschenschafter ergibt sich daraus eine vorrangige, immerwährende Pflicht zum Einsatz für sein deutsches Vaterland, weit über die Ableistung des Wehrdienstes hinaus.“ (DB-Nachrichtenblatt 288, 17.12.2003, S. 6) – Der Patriotismus ist hier fundamental mit einem Begriff der „Erwehrung“ oder „Verteidigung“ mit Waffengewalt verbunden, der Bund stachelt seine Mitglieder im wörtlichen Sinne zum Kampf gegen Feinde des „Volkes“ und des „Vaterlandes“ an. 2005 wurde dann auf dem Burschentag bei einer Bestätigung der Ablehnung von Kriegsdienstverweigerern festgestellt: „Die Deutsche Burschenschaft lasse sich, wenn es um die Verteidigung des Vaterlandes gehe, von Niemandem übertreffen.“ (Protokoll des Burschentages 2005, S. 40) Dass dies auch mit der Konstruktion von heterosexueller Männlichkeit im Männerbund zusammenhängt, soll hier noch einmal hervorgehoben werden (vgl. Interview Winter, sobald veröffentlicht). Salzborn spricht im Bezug auf dieses Weltbild auch von der „männlichen Nation“ – ein Ausdruck, der 2005 von Gabriele Kämper geprägt wurde. (Salzborn, Samuel: Rechtsextremismus. Stuttgart 2015, S. 67) Der Vaterlands- und Freiheitsbegriff bezieht sich für die DB vor allem auf die nach dem Zweiten Weltkriege verlorenen Ostgebiete, auf die rechtlicher Anspruch erhoben wird (vgl. Artikel DB).
Die Deutsche Burschenschaft konstruiert hier eine Ungleichheit der Völker und orientiert sich maßgeblich an Gewalt. Damit erfüllt sie die zwei grundlegenden Kriterien, die nach Heitmeyer für Rechtsextremismus gegeben sein müssen. (Salzborn, Samuel: Rechtsextremismus. Stuttgart, 2015, S. 20) Weitere Merkmale, die die DB aufweist: Der kollektive Identitätszwang (ebd., S. 21), Forderung nach ethnischer Homogenität, die Darstellung von Volk und Natur als „axiomatisch“ (Jaschke nach Salzborn a.a.O., S. 22) für das politische Denken – und daraus resultierend ein politischer Fundamentalismus.
Die Art kollektiv-emotionalen Zusammenhalts, die im gemeinsamen Erleben von Ritualen im Männerbund ihren realen Kern hat, ist allen Studentenverbindungen gemein. Das gilt insbesondere für die schlagenden Korporationen. In der Verbindungs-Literatur wird hierzu meist der korporierte Soziologe Tönnies herangezogen, der „Gemeinschaft“ als emotional-kollektivistisches Gebilde gegen die „Gesellschaft“ als eine rational-individualistische Form des Zusammenlebens stellt (vgl. Lipp in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 369). Die Theorie von Tönnies ist historische Grundlage des nationalsozialistischen Begriffs der „Volksgemeinschaft“.
Wie halten es andere Vertreter und Sympathisanten des Verbindungswesens mit dem Nationalismus? Eine Völkerlehre scheint etwa auf, wenn das Corpsmitglied Hermann Rink das studentische Fechten unter anderem mit der „allgemeinen Waffenfreude der germanischen Völker“ (Rink in: Baum a.a.O., S. 383) rechtfertigt. Er versucht hier militante Eigenschaften biologisch zu erklären. Solche Ansätze sind typisch ist für den sog. „Ethnopluralismus“, demzufolge verschiedene Völker als feste Entitäten gedacht werden, die jeweils ihre „Freiheit“ in der Abgrenzung gegenüber anderen „Völkern“ zu behaupten hätten (vgl. Netz gegen Nazis: Was bedeutet Ethnopluralismus? http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/was-ist-ethnopluralismus, Stand 10.05.2016). Diese Argumentation findet sich in vielen konservativen und neurechten Diskursen wieder. Schließlich kann aber auch der Artikel 1, Absatz 2 der UN-Charta dahingehend interpretiert werden, wo die „Selbstbestimmung der Völker“ als zu wahrendes Gut genannt ist (UNRIC: Charta der Vereinten Nationen. Quelle: http://www.unric.org/de/charta, Stand 10.05.16)
1998 fordert Jobst Böning, Vizepräsident der Universität Würzburg, von den Korporationen eine „vaterländische Gesinnung“ als „historisch gewachsene, nationale Identitätsfindung“. Der Historiker Harm-Hinrich Brandt ordnet die Ideenwelt der historischen Korporationen in den allgegenwärtigen „Normalnationalismus“ (Nipperdey nach Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 4) von Kaiserreich und Weimarer Republik ein. Doch auch heute lobt er die „vaterländische Grundstimmung“ der Verbindungen. Brandt beklagt denn auch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die „nationale Parole“ „keine existenzbestimmende Gemütserhebung“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 6) mehr verursachen konnte. Man beachte hier wiederum die Verbindung von Nation und „Gemüt“, die ganz im Rahmen der Theorie von Tönnies liegt. Zudem spricht Brandt im selben Text von der „politisch-moralische[n] Gesamtkatastrophe des Jahres 1945“ (ebd., S. 7), in der die deutschen Großmachtträume zerstoben. Erst dieser Umstand scheint Brandt für die „Katastrophe“ zu taugen, nicht die Verwicklungen und Verbrechen der Jahre davor.
Die Ideologien der Waffenstudenten sind zudem eindeutig ständestaatlich geprägt, am stärksten in der Volkstums-Vorstellung der DB. In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wurde von der „konservativen Revolution“ dieser Ständestaat als Idealmodell entworfen, in dem „[…] alle klaglos die ihnen zugedachten Aufgaben erfüllen sollten. Autoritär geführt von einer durch Abstammung und angeblichem Leistungsvermögen definierten, korporativ verfassten Elite sollte dieses „organische“ Gefüge an Stelle der Demokratie treten. Die klar definierten Standesgrenzen galten als Garantie gegen unerwünschte soziale Dynamiken. Deutlich zeichnen sich hier die Konturen des faschistischen Staates ab.“ (Weiß, Volker: Burschenschaften und Neue Rechte: Verbindung zum Schaden der Republik. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/die-deutsche-burschenschaft-und-ihre-naehe-zur-neuen-rechten-a-901547.html, Stand 22.04.2016)
Eine Anekdote vom Burschentag 2005 mag dies noch ausschmücken: Auf die Behauptung, dass viele Lehramtsanwärter schlecht qualifiziert seien, folgte die Retourkutsche eines Verbandsbruders: „Den Vertreter der Redaria-Alemannia Rostock fordert er auf, die Beleidigung des Lehrerstandes [sic!] zurückzunehmen.“ (Protokoll des Burschentages 2005, S. 41)
Zunächst zur prinzipiellen Kritik des Nationalismus: Claessens bezeichnet die Nation als „Versprechen“, ein „Kreditgeschäft ohne vorher festgelegte Währung“ (Claessens, Dieter et al.: Konkrete Soziologie: Eine verständliche Einführung in soziologisches Denken. Wiesbaden 1997, S. 21) – also eine undefinierte Einheit, die Einfallstor für irrationale Elemente ist. Das oben behandelte Strukturmoment der Verheißung der „Gemeinschaft“ läuft hier also parallel zum ideologischen Versprechen der „Nation“ oder des „Volkes“. Nach Frank Deppe gehören für die Korporationen der „nationale Mythos“ und der Wunsch nach einem starken Staat zusammen. So berufe sich etwa die deutsche Burschenschaft auf naturhafte Volksideologien von Carl Schmitt, demnach sich das Volk als „imaginäres Subjekt (…), das allem Politischen vorausgesetzt ist“ sich politisch „zur Nation erhebt.“ (Deppe, Frank: Nationaler Mythos und starker Staat – Zum Politik- und Demokratieverständnis der Korporationen. In: Elm et al. a.a.O., S. 343) Dies stehe in der Tradition absolutistischen Denkens und mit dem historischen „Herrschaftskompromiss“ (ebd., S. 335) Preußens erklärbar: Dort habe eine aristokratische Führung ein liberales Bürgertum symbolisch erhöht – und damit entmachtet. Aus dieser „unbewussten Erfahrung der Entmachtung“ (ebd., S. 337) habe das Bürgertum den Mythos der überlegenen, bedrohten Nation entwickelt. Das so entstehende „Volks-Primat“ sei nach Elm „auf extreme Weise demokratie- und verfassungsfeindlich“ und einer „Kulturrevolution von rechts“ zuzuordnen. (ebd., S. 342f.)
Während so Teile des Waffenstudentenwesens den Strukturkonservativismus vertiefen und verschärfen, verhallte der Ruf gemäßigter Verbindungsbefürworter bis zu den jüngsten Spaltungen der DB scheinbar. Friedhelm Golücke wollte den Korporationen 1998 ein Signal senden, als er forderte, Verbindungen heute sollten sich „von ihrer Gründungssituation befreien“ (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 154). Der gleiche Autor ist sich sicher: „Die Vorstellung, dass die Verbindungen die Freiheit der Studenten und […] der Wissenschaft gegen […] Teile der Gesellschaft zu verteidigen hätten, ist überholt.“ (ebd., S. 155)
Leider finden die nationalistischen Diskurse mit den sozialen und wirtschaftlichen Krisenerscheinungen seit 2007 wieder verstärkt Anhänger. Gegnerische Medien wie der Spiegel warnen deshalb schon lange vor einer Koalition aus Neo-Nazis und Burschenschaften. So soll u.a. die Burschenschaft Normannia Jena Kontakt zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) gehabt haben. (Diekmann, Florian: Rechtsruck der Deutschen Burschenschaft: Allianz der Verfassungsfeinde. Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/weshalb-rechtsextremismus-in-burschenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html, Stand: 11.05.2016 ; vgl. Art. „Deutsche Burschenschaft“, sobald veröffentlicht) Bei den anderen Verbindungen und Verbänden ist die ideologische Lage unübersichtlich. In jedem Verband gibt es aber personelle oder inhaltliche Überschneidungen mit dem Netzwerk der „Neuen Rechten“ in Deutschland, das versucht nationalkonservative bis rechtsextreme Themen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.
Unter dem Begriff der „Neuen Rechten“ versteht sich heute in Deutschland ein intellektueller Nationalkonservativismus, der sich auf die völkischen Ideenwelt der „konservativen Revolution“ des frühen 20. Jahrhunderts beruft. Sie will diese Ideen aktualisieren und ins 21. Jahrhundert herüberretten. Dies erreicht sie durch ein dezentes Auftreten und intellektuelle Argumentation, die sich habituell scharf von einem tumben Neonazitum unterscheiden. Viel zitierte Autoren der „Konservativen Revolution“ sind etwa Carl Schmitt, Moeller van der Bruck, Ernst Jünger und Oswald Spengler.
Sie sammeln sich heute etwa um die Zeitung Junge Freiheit (JF) und das „Institut für Staatspolitik“ (IfS). Ihren Ursprung hat die Denkrichtung u.a. in der „Nouvelle Droite“ in Frankreich, wo seit den 1970er-Jahren Alain de Benoist völkisch-intellektuelle Theorien publiziert. In Deutschland ist Henning Eichberg in diesem Sinne mit einer Theorie vom „Ethnopluralismus“ bekannt geworden. Nach dieser Schule bestehen homogene „Völker“, die es politisch voneinander zu trennen gelte.
Während rechte Parteien wie die NPD oder auch völkische Verbände wie die DB eindeutig als rechtsextrem erkennbar sind, ist die Neue Rechte nach Salzborn durch „politisches Mimikry“ (Salzborn a.a.O., S. 66) gekennzeichnet. Demnach versuchen u.a. die JF, das IfS und die „Gesellschaft für freie Publizistik“ sich in ihrer Terminologie an die jeweilige politische und moralische Umgebung anzupassen, um in den gesellschaftlichen Mainstream hineinzuwirken. So sollen Themen besetzt und die politische Kultur längerfristig verändert werden, wobei auch vor- und unpolitische Felder wie Kunst und Musik hierbei eine Rolle spielen.
Salzborn nennt hier etwa die Schlagworte „Sozialschmarotzer“ (bezogen auf Arbeitslose o.ä.) oder „Heuschrecken“ (bezogen auf ausländische Banken), die massenwirksam wurden. (Salzborn a.a.O., S. 80) Bei allen Korporationsverbänden lassen sich solche neurechten Diskurselemente finden, etwa der Vorwurf der „political correctness“ an die Massenmedien, oder der vermeintliche „Genderwahn“. Als lokales Beispiel der Verbindung von Kunst und Politik mag die Hochschulgilde Hildegard von Bingen in Mainz dienen, die 2006 einen Vortragsabend zum Thema „Dichter der Konservativen Revolution“ veranstaltete. Auch finden sich bei allen Verbänden Referenten und Gastredner aus den Netzwerken von Junge Freiheit, „Institut für Staatspolitik“ usw. Die Gründer der JF, IfS und Verlag Antaios, Götz Kubitschek, Karlheinz Weißmann und Dieter Stein, gehören oder gehörten selber alle dem Korporationsverband „Deutsche Gildenschaft“ an. Insofern spricht Salzborn von dem „Brückenspektrum“ zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus, dem die Studentenverbindungen angehörten. (ebd., S. 70)
Insbesondere das Erstarken der Partei „Alternative für Deutschland“ seit 2013 sammelt die rechten Kräfte in Deutschland neu, darunter finden sich zahlreiche Verbindungsstudenten aller Couleur. Dabei kann die nach rechts gedriftete AfD mittlerweile große politische Erfolge aufweisen – ein Zeichen dafür, dass rechte Ideologien in der Masse der Bevölkerung anschlussfähig sind. Zudem hat die CDU unter Angela Merkel das konservative Lager geradezu gespalten. Die rechten Korporationen – allen voran die Deutsche Burschenschaft – stimmen ideologisch weitgehend mit der AfD überein, so dass sich erwartungsgemäß eine „Patriotische Plattform“ innerhalb der Partei auch maßgeblich aus Waffenstudenten zusammensetzt und 2016 ein Corps-Student in der Führungsriege der Bundespartei ist.
Insgesamt haben die Korporationen zwar seit den 1960er-Jahren viele Mitglieder verloren, aber als Wortgeber im rechtskonservativen Diskurs an Bedeutung eher noch gewonnen. Nationale Themen, Geschichtspolitik, konservative Familienpolitik, EU-Kritik und vor allem Immigrationspolitik sind Felder, auf denen alle Verbände aktiv sind, egal wie unpolitisch sie sich selber sehen. Mit der AfD gibt es nun einen politischen Akteur, der diese Themen aggressiv vertritt – deshalb ist eine gewisse Präsenz von Verbindungsstudenten in dieser Partei zu erwarten, wenn sie auch noch nicht mit der „Burschenschafterpartei“ FPÖ in Österreich vergleichbar ist.
Insofern sind die Korporationen ohnehin daran beteiligt neurechte Diskurse in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Passenderweise redet Braun vom „Ping-Pong-Spiel“ (Braun/Hörsch: Rechte Netzwerke – Eine Gefahr. Wiesbaden, 2004, S. 9) der Sprache der Konservativen und der Rechten, das sich aktuell etwa an der Rede von der „Asylantenflut“ und dem „Genderwahn“ zeigt. Neu ist nun die Ausdifferenzierung der politischen Lager, die parallel in der Spaltung des Verbindungswesens um die Deutsche Burschenschaft sowie dem Aufbau der AfD verläuft. Die schon bestehenden Verquickungen von Waffenstudenten und AfD deuten zumindest darauf hin, dass einerseits die Ideologien der Korporationen massentauglich sind. Andererseits arbeiten offensichtlich die politisch aktivsten Verbindungsstundenten an dem Projekt mit, das Kellershohn im Rekurs auf den Gildenschafter und Junge-Freiheit-Chef Dieter Stein dazu dient, „durch die Verknüpfung von nationalliberalen, christlich konservativen, völkischen und staatspolitischen Ideen eine ‚moderne‘ völkisch-konservative Bewegung im vorpolitischen Raum zu inspirieren und über deren parteipolitische Implementierung in den politischen Raum zu einer ‚Umwälzung‘ (Stein) des politischen Systems beizutragen.“ (Kellershohn, Helmut: „Konservative Volkspartei“ – Über das Interesse der jungkonservativen Neuen Rechten an der AfD. Sondierungen im Feld der AfD Nr. 3. 16.09.2014, Quelle: http://www.diss-duisburg.de/2014/09/helmut-kellershohn-afd-sondierungen-3/, Stand 26.05.16) Dafür spricht die „Erfurter Resolution“ des völkischen „Flügel“ der AfD unter dem Thüringer Landesschef Björn Höcke, der auch von Verbindungsstudenten mitgetragen wurde. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sehen die AfD darin als „grundsätzliche, patriotische und demokratische Alternative zu den etablierten Parteien“. Sie streben nach eigener Aussage eine „grundsätzliche politische Wende in Deutschland“ an. (alle Zitate: Erfurter Resolution. Quelle: http://www.derfluegel.de/erfurter-resolution/, Stand 19.05.2016) – Diese Aussagen gehen parallel zur Kritik an „den festgezurrten Machtverhältnissen des totalen Parteienstaates“ (Kunze, Klaus: Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung. Quelle: http://klauskunze.com/heikun/mut/Mut%20zur%20Freiheit.pdf, Stand: 26.05.2016, S. 5) von Klaus Kunze, der in der DB rezipiert wird.
„‚Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat.‘ Unser Dachverband, die Deutsche Burschenschaft, bietet mit 10.000 Mitgliedern in über 100 Verbindungen in Deutschland, Österreich und Chile ein facettenreiches Netzwerk, das uns allen zugute kommt. Ob Studenten oder ‚Alte Herren‘, die im Berufsleben stehen oder standen, sie teilen gern ihre Erfahrung und Hintergrund- sowie Insiderinformationen mit Dir. Das beginnt bei der Unterstützung während des Studiums, geht über persönliche Förderung und öffnet auch später so manche Tür auf gesellschaftlichen Parkett und beruflicher Ebene.“ (Burschenschaft Arminia Leipzig: Bundesbruder werden. Quelle: https://web.archive.org/web/20150201220647/http://arminia-leipzig.de/bundesbruderwerden.html, Stand: 10.05.2016)
Während Manfred Kanther (CDU) noch in den 1980er-Jahren offen aussagte, man wolle durch Studentenverbindungen „national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden“ (Schäfer, Gerhard: Cliquen, Klüngel und Karrieren – Beziehungen und Ver-Bindungen, in: Elm et al. a.a.O., S. 305), scheint dieses Projekt zunächst gescheitert. Die Elitefunktion der Korporationen ist empirisch nicht mehr gegeben (vgl. Interview Michael Hartmann). Während selbst in den 1960er-Jahren, als noch ca. fünf Prozent der Bevölkerung studierte, das Studium quasi eine Garantie für eine gute Stellung war, sind heute die Hörsäle überfüllt, die Universitäten unterfinanziert und die Jobchancen für Akademikerinnen und Akademiker durchwachsen. Nach den Bologna-Reformen hat sich das Studium vollends gewandelt.
Nach dem Krieg bestanden in Politik und Wirtschaft zahlreiche Machtcliquen (vgl. Kap. „Die Wiederbelebung. 1945 bis 1967.“), darunter die „K-Gruppe“ des bis 2001 regierenden CDU-Bürgermeisters von Berlin, Diepgen. Doch schon 1978 stellt Peter Krause fest: „Die Zugehörigkeit zu einer Korporation war früher fast ein Garantieschein für berufliche Karriere und gesellschaftliches Ansehen, in der leistungsbezogenen Gegenwart ist sie allein kein ausschlaggebender Faktor mehr.“ (Krause, Peter: „O alte Burschenherrlichkeit“. Die Studenten und ihr Brauchtum. Graz u.a. 1979, S. 208).
Schäfer weist aber noch für die Achtzigerjahre enge Verquickungen zwischen Unternehmern und Firmen nach, bei denen auch ausdrücklich eine „arteigene Stellenvermittlung“ angestrebt wurde (Schäfer: Cliquen in: Elm et al. a.a.O., S. 307). Auch Brandt merkt 1998 dezent an, die Karrierefunktion von Verbindungen „dürfte wirksamer sein als erkennbar“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 9). Wenn diese Karriereprotektionen heute auch zurückgehen dürften, kann man sie immer noch als existent annehmen. Die DB hat oder hatte laut dem Protokoll des Burschentages 2005 einen eigenen Beauftragten für „Berufshilfe“ und unterhielt zu dieser Zeit eine Datenbank zur Vermittlung von beruflichen Leistungen. 2011 bot der Dachverband dann erstmals ein „Berufs- und Bildungsforum“ an, auf dem innerhalb des Verbandes Kontakte geknüpft und Praktikumsplätze vermittelt wurden. (DB-Schnellinformation Nr. 4 im Geschäftsjahr 2011) Und natürlich machen die Verbindungen selber Werbung mit den Beziehungen, die sie haben: Danubia München – immer wieder vom Verfassungsschutz beobachtet – nennt etwa „Zugang zu Praktika – auch im nichteuropäischen Ausland“. (Burschenschaft Danubia München: Über Uns. Quelle: http://danubia.de/page/ueber-uns.php, Stand: 22.04.16)
Als Hinweis kann hier auch der Berliner Ex-CDU-Stadtrat Büge dienen, der 2013 wegen seiner Mitgliedschaft in seiner Burschenschaft Gothia gefeuert wurde. Der Tagesspiegel berichtet aus Parteikreisen, er konnte durch seine Kontakte „mit einem vergleichbaren Job rechnen, wenn er Gothia-Mitglied bleibe.“ (Beikler, Sabine: Czaja entlässt Staatssekretär Büge. Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/wegen-mitgliedschaft-in-burschenschaft-gothia-czaja-entlaesst-staatssekretaer-buege/8196818.html, Stand 10.05.2016)
Auch in den 1990er-Jahren diagnostiziert Gerhard Schäfer noch, dass Korporationen akademisch-bürgerlichen Hintergrund haben und „den Ausbau der Klassenprivilegien in Hochschule und Gesellschaft“ vorantreiben (Schäfer: Cliquen, in: Elm et al. a.a.O., S. 316). Arbeiterkinder fänden wegen ihrer anderen Sozialisation kaum den Schritt auf das Verbindungsparkett, wie sie ohnehin auch seltener an die Hochschulen gelangen. (ebd., S. 314)
Man kann also aufgrund dieser Anzeichen annehmen, dass sich innerhalb des akademischen Milieus die Verbindungskreise noch immer selber reproduzieren. Nach Angaben des Soziologen Michael Hartmann kämen auf 500 untersuchte Elitepositionen jedoch gerade einmal zwei Korporierte (vgl. Interview) – ihre gesellschaftliche Relevanz hat also erheblich abgenommen. Wie reagieren sie also auf die „leistungsbezogene Gegenwart“ (Krause) angesichts eines massiven Bedeutungsverlustes?
Prinzipiell lässt sich für die Gegenwart eine Betonung von konservativen „Werten“ feststellen – Leistungsprinzip, Charakterfestigkeit, Ehrenhaftigkeit und Pflichttreue (vgl. z.B. Stempel in: Baum a.a.O., S. 235). Auch Golücke fordert 1998 eine Umkehr hin zu „sittlicher Grundlage“ und einem nicht näher erläuterten „neuen Wissenschaftsverständnis“, sowie vom „Formal- und Strukturkonservativismus zum Wertkonservativismus“. (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 155)
Heraus kann ein Gesellschaftsmodell kommen, wie es Christean Wagner (CDU), korporiert im Akademischen Turnbund, 1989 darstellte: „Erst die Weitergabe überdurchschnittlicher Leistungserträge sichert den sozial Schwachen eine menschenwürdige Existenz. Die unter dem Deckmantel der Gleichheit geführten Angriffe gegen das Leistungsprinzip zielen auf die Produktivität unserer Gesellschaft und damit zugleich auf ihre Fähigkeit, humane Lebensverhältnisse zu gestalten.“ (zit. nach Schäfer: Cliquen in: Elm et al. a.a.O., S. 304)
Er konstruiert hier einen Begriff der Leistungselite und rechtfertigt ethisch die real herrschenden Machtunterschiede. Zahlreiche Untersuchungen, etwa von Michael Hartmann, zeigen dagegen, dass Machtpositionen im Deutschland der Gegenwart nicht nach dem Leistungsprinzip vergeben werden, sondern nach Milieuzugehörigkeit. (vgl. Hartmann, Michael: Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt am Main 2002) Das gleiche gilt auch immer noch für den Zugang zu Bildung.
Bildungsarbeit betreiben auch alle Korporationen, einige sogar ihre eigenen Akademien, die ihrer Klientel Qualifikationen für das Berufsleben vermitteln sollen. Für die Corps ist das „Akademie Weinheim Seminar“ zu nennen, in dem Rhetorik, Arbeitsrecht oder Teamarbeit gelehrt werden.
Indes fehlt es seitens der Verbindungen nicht an Klagen über den Zustand etwa der deutschen Universitäten. Der korporationsnahe Friedhelm Golücke kritisierte den Verlust der „Vorbildfunktion“ des deutschen Hochschulwesens seit den Siebzigerjahren durch die Änderung der Richtschnur von „Leistung“ zu „sozialer Gerechtigkeit“. (Golücke in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 151) Gemeint ist die sogenannte „Bildungsexpansion“ der 1970er-Jahre, die vor allem mit der Einführung des BAföG zu einer Öffnung der Hochschulen für weniger begüterte soziale Schichten führte (vgl. a. Interview Hartmann). – Dabei ist schon der Beitrag der Korporationen zu den wissenschaftlichen Erfolgen der Deutschen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert umstritten. Jarausch verneint eine positive Rolle der Studentenverbindungen und sieht diese als Vorreiter eines „akademischen Illiberalismus“, der im Kaiserreich im Widerspruch zum wissenschaftlichen Fortschritt stand und Nationalismus und Imperialismus vorantrieb. (Jarausch in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 80)
Schäfer interpretiert das Gesellschaftsmodell der Korporationen zusammenfassend als „Elite-Masse-Syndrom“ (Schäfer: Cliquen in: Elm et al. a.a.O., S. 317). Die „Massen“, die es demnach zu versorgen gelte, werden aus einer „Dekadenztheorie“ (ebd.) erklärt – das belegen für die Hochschulen die Bemerkungen Brandts, der 1997 das „massenhafte Einströmen der Frauen an die Universitäten“ und die „Verschulung, Versächlichung, Vermassung“ beklagt (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 7); sowie die Klagen über den „Verlust des Studenten-Status[‚]“ (ebd.).
Das trifft sich mit dem erstarkten öffentlichen Diskurs um „Führung“ und „Elite“, der sich in Politik und Bildungswesen spätestens seit der Exzellenzinitiative der Universitäten 2005 neuer Akzeptanz erfreut. Unter „Führung“ ist im allgemeinen betriebswirtschaftlichen Sinne Steuerung von unternehmerischen Prozessen in Ressourcenknappheit zu verstehen. Die deutschen Hochschulen etwa treten mehr und mehr zueinander in Konkurrenz, weil die Bildungsausgaben stagnieren (vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/BildungKulturfinanzen/Tabellen/Budget.html, Stand 22.04.2016). Das Schlagwort von der „unternehmerischen Hochschule“ ist hier bezeichnend, das von Clark 1998 geprägt wurde (vgl. Kühl, Stefan: Der Mythos von der unternehmerischen Universität. Die Präzision eines unpräzisen Begriffs in der hochschulpolitischen Debatte. Bielefeld 2012, Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/soz/forschung/orgsoz/Stefan_Kuehl/pdf/Working-Paper-3_2012-Stefan-Kuehl-Der-Mythos-von-der-unternehmerischen-Universitaet-23.05.2012.pdf, Stand 10.05.2016).
Strukturell gibt es im Hochschulwesen zudem einen Trend hin zur Beteiligung von Wirtschaftsunternehmen, mit direktem Einfluss etwa in Hochschulräten, oder in sogenannten public-private partnerships wie dem Institut für Molekulare Biologie in Mainz. Insgesamt ist auch in der „High-Tech-Strategie“ des Bundes eine nationale hochschulpolitische Ausrichtung hin zu anwendungs- und wirtschaftsorientierter Forschung zu verzeichnen (vgl. Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland: Leitbild eines innovativen Deutschlands. Quelle: http://www.hightech-strategie.de/de/Leitbild-13.php, Stand 10.05.2016). So soll der Markenname „Made in Germany“ in Wissenschaft und Wirtschaft gestärkt werden.
Im Inneren wurde 2011 ein neues Förderprogramm unter privater Beteiligung bezeichnenderweise „Deutschlandstipendium“ genannt. „Deutschland“ ist hier nicht mehr der deutsche Staat, sondern die Marke eines Zusammenschlusses aus öffentlicher Hand und Privatunternehmen, durch die mit gemeinsamer Anstrengung Leistung honoriert werden soll. Hier sollen „führende“ Studierende als die leistungsfähigsten belohnt, sowie eine vielfach angemahnte „Stiftungskultur“ nach angelsächsischem Vorbild angeschoben werden. An anderer Stelle werden öffentliche Mittel der Studienfinanzierung gekürzt, das BAföG als zentrales Förderungsmittel in die Breite der Studentenschaft wird nur schleppend erhöht.
Die Ideologien der studentischen Korporationen stimmen in vielen Punkten mit der politisch geforderten „Leistungselite“ überein, und somit finden sich gute Anschlussmöglichkeiten an die gegenwärtige Diskurse in Wirtschaft und Gesellschaft. Aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit können Spenden und Mitgliedschaften in Hausbauvereinen der Verbindungsheime dabei gleich als soziales Engagement verbucht werden, da die Verbindungshäuser in der Regel von eingetragenen Vereinen verwaltet werden. Kritiker der Verbindungen bemängeln, dass ein Engagement von Verbindungsstudenten oftmals im Eigeninteresse aufgeht. (vgl. Trenkamp, Oliver: Kommentar zum Burschentag: Nehmt den Rechten ihre Privilegien! 12.06.2014, Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/burschentag-burschenschafter-sollen-gemeinnuetzigkeit-verlieren-a-974600.html, Stand 10.05.2016).
Allerdings stellte schon 1992 Frank Deppe fest, dass die wirtschaftlich-politische internationale Interdependenz im Widerspruch zu den nationalistisch-ständischen Strukturen der Korporationen steht (Deppe in: Elm et al. a.a.O., S. 348). Transnationale Konzerne suchten nicht nach „Mensurqualifikationen“ (Deppe), und wirtschaftlicher Protektionismus schade dem deutschen Kapital. Auch Michael Hartmann betont, dass der Habitus des männlichen, landsmännisch orientierten, deutschen Verbindungsstudenten unter den Bedingungen des globalen Kapitals ein „Auslaufmodell“ sei (s. Interview).
Die Nachwuchs- und Ideologieprobleme bringen die Korporationen also in Bedrängnis. Mit Forderungen nach Bildungsgerechtigkeit, Frauenquote, veränderter Männerrolle, der Globalisierung von Wirtschaft und Bildung sowie der europäischen Einigung wird an allen ideologischen „Werten“ dieser männlich-konservativen Subkultur gerüttelt.
Auch die Forderung eines Wert- statt Strukturkonservativismus geht auf Kosten der Rituale und Formen der Verbindungen. Dabei haben sich gerade diese als sehr langlebig und identitätsstiftend erwiesen. In Zeiten von sozioökonomischer „Mobilität“ und „Flexibilität“ sowie einem wesentlich strafferen Studium nach Bologna werden die zeitraubenden Rituale noch einmal schärfer in Frage gestellt. So beschloss der Burschentag 2005 auch eine Erklärung gegen BA-/MA-Abschlüsse, in der die Absolventen als „theoretische Sachbearbeiter ohne Profil“ bezeichnet werden. Auch spricht er sich gegen die Schulzeitverkürzung („G8“) sowie für eine Stärkung des Abiturs als Hochschulzugang aus. (Protokoll Burschentag 2005, S. 42) Diese Ziele konnten bekanntlich nicht erreicht werden.
Selbst wenn die Verbindungen reale Chancen auf Elitepositionen hätten, und so Optionen auf die Bildung einer „Verantwortungselite“ (nach Böhlken) hätten, so bleibt immer noch das Problem der Gerechtigkeit. Demnach müsse zuerst der Zugang zu Elitepositionen geöffnet werden. Da aber alle Verbindungen exklusiv sind und auch die gesellschaftliche Reproduktion etablierter Herrschaftsverhältnissen bejahen (vgl. Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 3), können sie Gerechtigkeit als Wert jedenfalls nicht für sich reklamieren. Da aber die Debatten um mehr Bildungsgerechtigkeit nicht abreißen, ist auch hier eine große ideologische Kluft zwischen Verbindungen und gesellschaftlichen Reformerkräften.
Doch als Träger eines konservativen Diskurses, der sich gegen das Individuum und die Masse gleichermaßen stellt, sind die Korporationen so bedeutsam wie eh und je (vgl. Schäfer, Gerhard: Vom Tiefschlaf zur nationalen Euphorie (1969 bis heute) in: Elm et al. a.a.O., S. 237). Im Gegensatz zur liberalen Vertragsgesellschaft seien sie eben nach Schäfer für eine vorbürgerliche „ständische Lebensform“, in die ein Mensch hineingeboren werde. Der Verbindungshistoriker Matthias Stickler vermisst bezeichnenderweise das „Standesethos“ der heutigen Studenten (Stickler, Matthias: Vom Burschen zum Studi. Anmerkung zum soziokulturellen Wandel in der Studentenschaft, in: Grün, Bernhard et al. (Hg.): Zwischen Korporation und Konfrontation. Beiträge zur Würzburger Universitäts- und Studentengeschichte, Köln 1999, S. 419).
In der Diktion der Korporierten ist dies eben eine „Vermassung“ (Brandt, H.-H. in: Brandt, H.-H. a.a.O., S. 7) oder Verschleifung von Charakteristika der ehemaligen „Stände“, die sich als Relikte des Feudalstaates im Deutschland preußischer Prägung lange gehalten haben. Diese Wehmut, aber auch die Aggression sowie Größenfantasien sind strukturell in den Bünden, besonders den waffenstudentischen, angelegt.
Dass der Konservatismus besonders bei Jugendlichen in Krisenzeiten wieder Konjunktur hat, mag den Zulauf bei einigen Verbänden erklären. Was aber passiert, wenn sich zum Konservatismus völkischer Nationalismus gesellt, kann man an der Deutschen Burschenschaft sehen, die leider allzu gut zu neuen rechten Bewegungen passt. Solche Bewegungen werden aber ideologisch von allen Verbänden rezipiert und unterstützt. Die Waffenstudenten können hier aber als vermeintliche „Elite“ gegen transnationale Entwicklungen in Politik und Gesellschaft – die als anti-nationale Entwicklungen gesehen werden – auftreten.
- Baum, Rolf-Joachim (Hg.): „Wir wollen Männer, wir wollen Taten!“, Berlin 1998
- Beikler, Sabine: Czaja entlässt Staatssekretär Büge. Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/wegen-mitgliedschaft-in-burschenschaft-gothia-czaja-entlaesst-staatssekretaer-buege/8196818.html, Stand 10.05.16
- Brandt, Harm-Hinrich et al. (Hg.): „Der Burschen Herrlichkeit“. Geschichte und Gegenwart des studentischen Korporationswesens. Würzburg 1998
- Braun, Stefan; Hörsch, Danile: Rechte Netzwerke – Eine Gefahr. Wiesbaden, 2004
- Böcher, Otto: Kleines Lexikon des studentischen Brauchtums. Hannover 2009
- Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland: Leitbild eines innovativen Deutschlands. Quelle: http://www.hightech-strategie.de/de/Leitbild-13.php, Stand 10.05.2016
- Burschenschaft Arminia Leipzig: Bundesbruder werden. Quelle: https://web.archive.org/web/20150201220647/http://arminia-leipzig.de/bundesbruderwerden.html, Stand: 10.05.2016
- Burschenschaft Danubia München: Über Uns. Quelle: http://danubia.de/page/ueber-uns.php, Stand: 22.04.16
- Claessens, Dieter et al.: Konkrete Soziologie: Eine Verständliche Einführung In Soziologisches Denken. Wiesbaden 1997
- CV-Sekretariat: Academia. Zeitschrift des Cartellverbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen, Bad Honnef, Ausgabe 1-2014
- DB-Nachrichtenblatt 288, 17.12.2003 (nicht veröffentlicht)
- DB-Nachrichtenblatt 289, 16.02.2004 (nicht veröffentlicht)
- DB-Nachrichtenblatt 311, 07.02.2011 (nicht veröffentlicht)
- DB-Schnellinformation Nr. 16, 26.06.2006 (nicht veröffentlicht)
- DB-Schnellinformation Nr. 14 im Geschäftsjahr 2009–2010, 07.03.2010 (nicht veröffentlicht)
- DB-Schnellinformation Nr. 4 im Geschäftsjahr 2011 (nicht veröffentlicht)
- DB-Schnellinformation Nr. 9 im Geschäftsjahr 2011, 22.06.2011 (nicht veröffentlicht)
- DB: Protokoll des Burschentages 2005 (nicht veröffentlicht)
- DB: Tagungsunterlagen Burschentag 2011 (nicht veröffentlicht)
- Diekmann, Florian: Rechtsruck der Deutschen Burschenschaft: Allianz der Verfassungsfeinde. Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/weshalb-rechtsextremismus-in-burschenschaften-aufmerksamkeit-verdient-a-869194.html, Stand: 11.05.2016
- Elm, Ludwig et al. (Hg.): Füxe, Burschen, Alte Herren. Studentische Korporationen vom Wartburgfest bis heute. Köln 1992
- Grün, Bernhard et al. (Hg.): Zwischen Korporation und Konfrontation. Beiträge zur Würzburger Universitäts- und Studentengeschichte, Köln 1999
- Hartmann, Michael: Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt am Main, 2002
- Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart 2007
- Humungus: AW: Vereinsausschluss. 05.08.2007, Quelle: http://www.juraforum.de/forum/t/vereinsausschluss.281685/, Stand 10.05.2016)
- Kellershohn, Helmut: „Konservative Volkspartei“ – Über das Interesse der jungkonservativen Neuen Rechten an der AfD. Sondierungen im Feld der AfD Nr. 3. 16.09.2014, Quelle: http://www.diss-duisburg.de/2014/09/helmut-kellershohn-afd-sondierungen-3/, Stand 26.05.2016)
- Krause, Peter: „O alte Burschenherrlichkeit“. Die Studenten und ihr Brauchtum. Graz u.a. 1979
- Kunze, Klaus: Mut zur Freiheit – Ruf zur Ordnung. Quelle: http://klauskunze.com/heikun/mut/Mut%20zur%20Freiheit.pdf, Stand: 26.05.16
- Kühl, Stefan: Der Mythos von der unternehmerischen Universität. Die Präzision eines unpräzisen Begriffs in der hochschulpolitischen Debatte. Bielefeld 2012, Quelle: http://www.uni-bielefeld.de/soz/forschung/orgsoz/Stefan_Kuehl/pdf/Working-Paper-3_2012-Stefan-Kuehl-Der-Mythos-von-der-unternehmerischen-Universitaet-23.05.2012.pdf, Stand 10.05.2016
- NDR: 7 Tage… in der Studentenverbindung. Sendung vom 01.11.2015, Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/7_tage/7-Tage-in-der-Studentenverbindung,sendung418276.html, Stand 21.04.16
- Netz, Kerstin: Aurea Moguntia. Die Korporationen des CV in Mainz. Erschienen als: Friess-Reimann, Hildegard et al. (Hg.): Mainzer kleine Schriften zur Volkskultur. Bd. 13, Mainz 2001
- Netz gegen Nazis: Was bedeutet Ethnopluralismus? http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/was-ist-ethnopluralismus, Stand 10.05.2016
- Peters, Stephan: Verbindende Verbände. Ein Lesebuch zu den politischen und sozialen Funktionen von Studentenverbindungen. Marburg 2000
- Salzborn, Samuel: Rechtsextremismus. Stuttgart, 2015
- Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen/Verband Alter Sver: SV-Zeitung. Zeitschrift der Sondershäuser Verbandes Akademisch-Musikalischer Verbindungen und des Verbandes Alter SVer. München und Aachen, Ausgabe 1-2014
- Statistisches Bundesamt: Das Budget für Bildung, Forschung und Wissenschaft nach Bereichen. 2013/2014, Quelle: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/BildungKulturfinanzen/Tabellen/Budget.html, Stand 10.05.2016
- Trenkamp, Oliver: Kommentar zum Burschentag: Nehmt den Rechten ihre Privilegien! 12.06.2014, Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/burschentag-burschenschafter-sollen-gemeinnuetzigkeit-verlieren-a-974600.html, Stand 10.05.16
- UNRIC: Charta der Vereinten Nationen. Quelle: http://www.unric.org/de/charta, Stand 10.05.2016
- Verlag BurschenDruck (Hg.): Handbuch der Deutschen Burschenschaft. Traunstein 2005
- Weiß, Volker: Burschenschaften und Neue Rechte: Verbindung zum Schaden der Republik. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/die-deutsche-burschenschaft-und-ihre-naehe-zur-neuen-rechten-a-901547.html, Stand 22.04.2016